06.07.2022

Wenn Kunst und Handwerk zusammenkommen – bei Abur-Art-Lacktechnik in Chemnitz werden Fahrzeuge zum kreativen Meisterwerk

Sobald er sich den Lackieroverall übergezogen und die Farbe angemischt hat, ist Robert Weißflog in seinem Element. Der Jungunternehmer betreibt seit 2020 eine Fahrzeuglackiererei, mit der er sich beruflich wie persönlich verwirklicht. Doch von vorn: Alles begann mit seiner Begeisterung für Graffitis. Schon als Schüler eignete sich Robert Weißflog die Graffiti- und Airbrush-Technik an und perfektionierte seine Fähigkeiten später in mehreren Weiterbildungen. Sein Faible für die Kunst aus der Spraydose beeinflusste auch seine Berufswahl. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer. Noch während des Angestelltendaseins begann er, sein Hobby auch kommerziell auszuüben: Im Auftrag von Firmen gestaltete er Wände mit professionellen Graffitis. Vor zwei Jahren wagte er dann den Schritt in die Vollzeit-Selbständigkeit und gründetet die Abur-Art-Lacktechnik GmbH, womit er einen lang gehegten Plan umsetzte.

Der Firmenname „Abur-Art“ ist eine Hommage an seinen Graffiti-Künstlernamen. Denn der Lackierer möchte das Handwerk mit einem künstlerischen Ansatz verbinden. Mit seinen originellen Designs und Airbrush-Künsten punktet er vor allem bei Tuning- und Oldtimer-Fans. Damit sein Business an Fahrt aufnehmen konnte, musste er zunächst jedoch eine Lackierwerkstatt einrichten. Bei der Finanzierung der Erstausstattung erhielt der Gründer wertvolle Unterstützung von der BBS. Ihre „Bürgschaft ohne Bank“ war die Voraussetzungen dafür, dass er ein Darlehen bei der Volksbank Chemnitz eG einwerben konnte.

Mit Abur-Art-Lacktechnik hebt sich Robert Weißflog bewusst von vermeintlichen Wettbewerbern ab: „Im Gegensatz zu anderen Lackierereien, die größtenteils mit Firmen, Autohändlern und Versicherungen zusammenarbeiten, konzentriere ich mich auf das Privatkundengeschäft.“ In diesem Bereich habe er schon als Angestellter großen Bedarf gesehen. Auch sein Angebotsspektrum geht über monotone Standardlackierungen und die klassische Lackreparatur von Unfallschäden hinaus: „Mein Steckenpferd sind Effektlackierungen, die sich von der Masse abheben und in der Tuning-Szene stark nachgefragt sind. Die Kunden wollen einzigartige Designs und sind bereit, dafür auch Geld auszugeben.“ Um mit seinem Lackiergeschäft durchstarten zu können, musste Robert Weißflog aber selbst erst einmal Geld in die Hand nehmen. Mit seinem Unternehmensberater hatte er einen Business Plan erarbeitet, der ein Firmendarlehen vorsah und ihn zur Volksbank Chemnitz brachte. Deren Geschäftskundenbetreuer Benjamin Anders nahm sich dem Gründungsvorhaben an: „Wir haben an die handwerklichen Fähigkeiten und die unternehmerischen Ambitionen von Herrn Weißflog geglaubt. Durch seine selbständige Tätigkeit im Nebenerwerb konnte er bereits Projekte vorweisen und durch sein Netzwerk auch künftige Aufträge in Aussicht stellen.“ Für den umfassenden Bankenkredit, den der Gründer benötigte, reichten seine vorhandenen Sicherheiten allerdings nicht aus. Doch das sollte nicht das Aus seines Traums von einer eigenen Lackiererei bedeuteten.

Ermutigt durch die Volksbank Chemnitz wandte sich Robert Weißflog an die BBS und beantragte eine Bürgschaft ohne Bank (BoB). Dabei prüft die BBS das Finanzierungsvorhaben und stellt bei positivem Ergebnis ein verbindliches Bürgschaftsangebot aus, wobei die kreditgebende Bank noch nicht feststehen muss. Speziell für Existenzgründer ist dies ein erfolgsversprechender Weg zum ersten Firmendarlehen, wie Benjamin Anders von der Volksbank Chemnitz erklärt: „Viele Gründungsvorhaben sind aus Bankensicht naturgemäß stark risikobehaftet und ohne eine Bürgschaft finanziell nicht realisierbar. Erst durch die BBS hat Herr Weißflog die Chance erhalten, aus seiner Leidenschaft ein eigenständiges Unternehmen zu machen.“ Der Volksbankvertreter involviert die BBS öfter in Kundenprojekte: „An der Arbeit mit der BBS schätze ich, dass ich immer einen persönlichen und fachkundigen Ansprechpartner habe, mit dem ich Rückfragen unkompliziert klären kann.“ Das zielgerichtete Miteinander von BBS und Volksbank war es schließlich auch, das Robert Weißflog das ersehnte Darlehen einbrachte. So konnte er die benötigten Gerätschaften und Utensilien anschaffen, wie etwa eine Lackierkabine, Farbmischbank, Kompressoren, Messtechnik sowie Lacke und Lackierpistolen. Bis die angemietete Werkstatt vollkommen ausgestattet war, musste er jedoch viel Durchhaltevermögen beweisen. Die erste, akute Phase der Corona-Pandemie sollte ihn immer wieder ausbremsen, bevor er im Jahr 2021 schließlich richtig loslegen konnte.

Heute fahren frisch lackierte Autos aller Couleur bei Abur-Art-Lacktechnik vom Hof. Immer häufiger verleiht Robert Weißflog auch Oldtimern neuen Glanz, was den Zeitgeist reflektiert: „Ich beobachte einen generellen Trend zur Instandhaltung und Restaurierung. Aufgrund steigender Preise und langer Lieferzeiten bei Neuanschaffungen lässt man die Vier- und Zweiräder, die schon in der Garage stehen, wieder öfter auf Vordermann bringen.“ Davon zeugen mehrere VW Käfer und Simson-Mopeds, die bei Abur-Art-Lacktechnik schon optisch aufgewertet wurden. Auch Einzelteile wie Felgen oder Motorradtanks erhalten hier einen neuen Look. Nach einem Umzug ist der Ein-Mann-Betrieb mittlerweile in der Zöblitzer Straße in Chemnitz zu finden. Am neuen Standort arbeitet Robert Weißflog Tür an Tür mit anderen KfZ-Betrieben, die sich in ihren Services ergänzen. So bietet er über einen benachbarten Folierer nun auch Beklebungen an. Vor Kurzem hat der geschäftstüchtige Unternehmer zudem einen Online-Shop für Pflegezubehör gelauncht. Seine gesamte Website managt er selbst, genauso wie die Social-Media-Kanäle. Mit der Content-Erstellung kreiert er auch einen ökonomischen Wert: „Instagram ist mein wichtigster Kanal zur Kundengewinnung. Wenn ich Fotos neuer Lackierprojekte poste, bekomme ich öfter unmittelbar Anfragen von Interessenten.“ Sein Instagram-Profil dürfte so auch dem Ziel zuträglich sein, das er sich für die nächsten fünf Jahre gesteckt hat: „Ich möchte mir mit Abur-Art-Lacktechnik über Sachsen hinaus einen Namen machen und eine Marke aufbauen, die im Gedächtnis hängen bleibt und für eine moderne, kreative Interpretation des Lackhierhandwerks steht.“


Bildquelle: Abur-Art-Lacktechnik GmbH


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