11.10.2021

Wahre Größe liegt im Kleinen – filigrane Metallbauteile sind Spezialgebiet der 3D MicroPrint aus Chemnitz

In ihrem Job zählt jeder hundertstel Millimeter: Das Team der 3D MicroPrint GmbH versteht sich auf die Entwicklung und Herstellung von kleinsten Bauteilen aus Metall, die vielgestaltige Geometrien aufweisen und komplexe Funktionen erfüllen. So zum Beispiel Mikrobauteile für mechanische Uhrwerke. Wenn man bedenkt, dass sich unter dem Gehäuse einer Armbanduhr mehr als 100 Einzelteile verbergen, kann man erahnen wie winzig die einzelnen Komponenten sein müssen – und zugleich so präzise gearbeitet, dass sich die Zeiger in minimalen, exakt bemessenen Schritten über das Ziffernblatt bewegen. Für die Fertigung derart feingliedriger Bauteile nutzt 3D MicroPrint das sogenannte „Micro Laser Sintering“, eine Sonderform des 3D-Drucks.

Das HighTech-Verfahren wurde von der Firma selbst entwickelt – genauso wie die Maschinen, die das Micro Laser Sintering zur Anwendung bringen. Bald schon sollen die Produktionskapazitäten auf dem Technologie-Campus Chemnitz mit einer vierten Maschine erweitert werden. Dafür spielen mehrere sächsische Wirtschaftsakteure zusammen wie die Zahnräde­r eines Uhrwerks: Die BBS schuf mit ihrer Bürgschaft die Voraussetzungen für ein Firmendarlehen der HypoVereinsbank, das 3D MicroPrint zur Finanzierung der zusätzlichen Maschine dient. Deren Herstellung übernimmt wiederum ein Sondermaschinenbauer aus Chemnitz, so dass das bereitgestellte Kapital in Sachsen bleibt.

Hervorgegangen aus einer Partnerschaft zweier Technologiefirmen besteht die 3D MicroPrint seit 2013 als selbständiges Unternehmen am Markt. „Auch wenn wir finanziell solide aufgestellt sind – als kleines Unternehmen mit einem recht neuartigen, außergewöhnlichen Geschäftsfeld ist der Zugang zu Fremdkapital nicht immer einfach“, berichtet Geschäftsführer Knut Hentschel. Die HypoVereinsbank habe sich hier als sehr offenes und kundennahes Kreditinstitut hervorgetan. Ihre Kundenbetreuerin Ellen Nehring sieht in der Spezialisierung vor allem einen Wettbewerbsvorteil: „Die 3D MicroPrint GmbH ist ein Innovationstreiber im Bereich der Zukunftstechnologie und des Wachstumsmarktes ‚3D-Druck‘. Eine wesentliche Stärke des Unternehmens besteht in der Fähigkeit, Verfahrensinnovationen technisch umzusetzen und in marktfähige und marktreife Produkte zu überführen.“ Die neuen Finanzmittel erlauben nun weitere Entwicklungsschritte, wie die Vertreterin der HypoVereinsbank ergänzt: „Die Kombination aus maßgeblicher Gesellschafter- und anteiliger Bankwachstumsfinanzierung unter Einbindung der Bürgschaftsbank Sachsen GmbH ermöglicht es der 3D MicroPrint GmbH, sowohl die geplanten Maschinen- und Anlageninvestitionen zu realisieren als auch den steigenden Working-Capital-Bedarf und damit die Erschließung weiterer rentabler Geschäfts-, Markt- und attraktiver neuer Kundenpotenziale zu sichern.“

Mit ihrer Technologieexpertise hat sich die 3D MicroPrint ein internationales Alleinstellungsmerkmal geschaffen: Auf dem Gebiet des Micro Laser Sintering macht der Chemnitzer Firma niemand so schnell etwas vor. Bei dieser Form der additiven Fertigung wird das Bauteil sukzessive aus immer neuen Schichten von Metallpulver aufgebaut, wobei ein Laserstrahl die einzelnen Pulverpartikel zur gewünschten Form verschmilzt. Auf diese Weise entstehen detailreiche räumliche Objekte aus Stahl, Titan oder auch Edelmetallen wie Gold und Silber. Was die Fertigungstechnologie so einzigartig macht, beschreibt Geschäftsführer Joachim Göbner: „Wir sind in der Lage, starke Miniaturisierungen vorzunehmen. Das kleinste Bauteil, was wir jemals gefertigt haben, war gerade einmal 0,2 Millimeter groß – so groß wie ein Staubkorn und mit dem bloßen Auge praktisch nicht zu sehen. Mit dem Micro Laser Sintering können wir auch Bauteile mit diffizilen Strukturen als Ganzes herstellen, die sonst aus einzelnen Komponenten zusammengesetzt werden müssten.“ Diese Vorteile machen sich Kunden aus verschiedensten Branchen und für diverse Einsatzzwecke zunutze. So entwirft und fertigt die 3D MicroPrint auch Bauteile für OP-Besteck und optische Instrumente, wie sie in der Mikrochirurgie und Endoskopie Einsatz finden. Gerade in der Medizintechnik werden kleinste Komponenten benötigt, damit minimalinvasive Eingriffe ihrem Namen gerecht werden können.

Am Anfang eines Entwicklungsprozesses steht in der Regel die Kundenidee, wie Knut Hentschel ausführt: „Gewöhnlich kommt der Kunde mit einer ersten Produktzeichnung zu uns. Auf dieser Basis entwerfen wir dann eine CAD-Datei des Bauteils, die für den 3D-Druck optimiert ist. Hier kommt uns unser langjähriges Ingenieurs- und Verfahrenswissen zugute.“ Nachdem der erste Prototyp gefertigt ist, sind meist Kleinserien für Anwendertests und die Markteinführung gefragt. Als flexibles, anpassungsfähiges Unternehmen produziert die 3D MicroPrint aber auch Großserien mit mehreren tausend Stück pro Monat. „Bei anhaltend hohem Bedarf kann es für Kunden auch ökonomisch sinnvoll sein, die Produktion ins eigene Haus zu verlagern“, gibt Joachim Göbner zu Bedenken. „Auch hierbei unterstützen wir unsere Klienten. Wir entwickeln maßgeschneiderte Maschinen und begleiten sie bis zur Inbetriebnahme vor Ort.“ Darüber hinaus berät man zur Auswahl der pulverförmigen Ausgangsmaterialien, die ebenfalls vertrieben werden. Alle Geschäftsfelder vereint die hohe Qualitätsorientierung. So wird ein Teil des von der BBS verbürgten HypoVereinsbank-Darlehens für den Ausbau des betrieblichen Qualitätsmanagements verwendet. Die damit verbundenen Zertifizierungsprozesse sind extrem kostspielig – zugleich aber unerlässlich, um dem hohen Qualitäts- und Präzisionsanspruch gerecht zu werden. Der Teufel steckt schließlich gern im Detail – wer wüsste das besser als die 3D MicroPrint?

 

Bildquelle. 3D MicroPrint GmbH

Bildbeschreibung:

1 – Referenzprodukt: Frauenkirche in Miniaturformat

2 – StartUp-Gebäude

 

Bildgalerie:

     3 – Greifer für medizintechnische Instrumente

     4 – Okulus-Bauteil für eine Endoskop

     5 – Flex-Armband aus einem Teil gedruckt

     6 – Wärmetauscher im Querschnitt

7 – Geschäftsführer Joachim Göbner (l.) und Knut Hentschel (r.) vor einer selbstentwickelten Maschine