08.09.2021

Vom Praktikant zum Geschäftsführer – firmeninterne Nachfolge im Weischlitzer Tief- und Ingenieurbaubetrieb besiegelt

Woldemar Buchmüller lebt vor wie gelungene Integration aussehen kann: Mit 16 Jahren kam er als sogenannter Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Hier ließ sich seine Familie im sächsischen Vogtland nieder. Dass er damals kaum ein Wort unserer Landessprache beherrschte, ist schwer zu glauben, wenn er heute in flüssigem Deutsch von seiner beruflichen Laufbahn berichtet: Nach dem Schulabschluss begann Buchmüller eine überbetriebliche Ausbildung zum Tiefbauer, die er zu einer Spezialausbildung zum Straßenbauer erweiterte. Ein Praktikum brachte ihn zur Tief- und Ingenieurbau GmbH Weischlitz (kurz: TIW), der er seither die Treue hält.

In dem Fachbetrieb fasste der ehrgeizige Azubi schnell Fuß. Sein handwerkliches Können stellte er sogar beim Landes- und Bundeswettbewerb unter Beweis, bei denen er jeweils den Sieg in der Kategorie Straßenbau holte. Das Preisgeld re-investierte das Ausnahmetalent direkt in eine Meisterausbildung und erklomm die nächste Entwicklungsstufe. Nachdem er bei der TIW zwischenzeitlich zum Polier befördert worden war, krönte er jetzt seine Karriere: Mit gerade einmal 33 Jahren stieg er als Nachfolger in die Geschäftsführung ein und erwarb die Hälfte der Firmenanteile. Damit er sich und den Altinhabern den Übernahmewunsch erfüllen konnte, hatte die Sparkasse Vogtland gemeinsam mit der BBS eine individuelle Finanzierungslösung erarbeitet.

Die Kernkompetenz der TIW liegt im Kanal- und Tiefbau – also überall dort, wo unterirdische Bauarbeiten zu verrichten sind. Aber auch verwandte Dienstleistungen wie Landschafts- und Wegebau werden mit angeboten. Ihre Aufträge erhält die TIW fast ausschließlich von öffentlichen Einrichtungen. Durch die strategisch günstige Lage im Dreiländereck Sachsen – Thüringen – Bayern kann die TIW-Mannschaft in verschiedenen Bundesländern tätig sein ohne sich weiter als 50 Kilometer vom Weischlitzer Firmensitz zu entfernen. Mit der Sparkasse Vogtland steht dem Betrieb eine lokal verankerte Hausbank zur Seite, deren Firmenkundenberaterin Jacqueline Junghanns-Kapell erklärt: „Es war uns ein besonderes Anliegen, die TIW Weischlitz GmbH als gut etabliertes Unternehmen in unserer Region bei der Nachfolgeregelung zu begleiten. Herr Buchmüller, der schon zuvor Führungsaufgaben im Betrieb übernommen hatte, überzeugte uns mit seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung und Expertise als Nachfolger.“ Einziges Manko: Wie viele andere Nachwuchsunternehmer hatte Buchmüller in seinem jungen Alter noch nicht genügend Sicherheiten ansammeln können, wie sie für einen umfassenden Übernahmekredit nötig sind. „Zusammen mit der BBS, welche sich mit einer Bürgschaft beteiligte, konnten wir die Nachfolgefinanzierung umsetzen. Dabei gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der BBS als sehr freundlich und unkompliziert“, so das Urteil der Sparkassen-Vertreterin.

„Ohne den Einbezug der Sparkasse Vogtland und der Bürgschaftsbank Sachsen wäre die Übernahme nicht zu stemmen gewesen“, resümiert auch Buchmüller heute. Denn wenngleich sich sein Lebenslauf wie ein Selbstläufer liest, hat er sich die letzten Jahre doch nicht nur auf einer Erfolgswelle treiben lassen. Vielmehr scheute er keine Anstrengungen, um beruflich voranzukommen: „Ich wollte schon immer mehr erreichen und weiter auf der Karriereleiter aufsteigen. In meiner letzten Funktion war ich bereits auf der obersten Leitungsebene unterhalb der Geschäftsführung angekommen. Doch auch da sollte für mich noch nicht Schluss sein.“ Als er von der Geschäftsführung das Angebot zur Übernahme hielt, brauchte er daher auch keine lange Bedenkzeit. Dabei spielten nicht nur seine persönlichen Ambitionen eine Rolle: „Mir war es genauso wichtig wie den Alteigentümern, dass das Unternehmen erhalten bleibt und im Sinne aller fortgeführt wird. Wir wollten das Risiko ausschließen, dass ein externer Nachfolger mit anderen Plänen den Betrieb übernimmt.“ Die Belegschaft dürfte es ohnehin freuen, dass die TIW von einer vertrauten Person weitergeführt wird. Buchmüller pflegt laut eigenen Aussagen ein sehr gutes Verhältnis zu den über 20 Kolleginnen und Kollegen, deren Respekt er sich über die Zeit hinweg erarbeitet hat. Aber auch junges Personal wächst nach: Dieses Jahr haben drei Lehrlinge eine Ausbildung bei der TIW begonnen.

Um Buchmüller auf seine neue Rolle vorzubereiten, hatte ihn die bisherige Geschäftsführung schon vor der Übernahme verstärkt in ihre tägliche Arbeit einbezogen. So tauschte der Firmenchef in spe die Arbeit auf der Baustelle immer öfter gegen das Büro ein. Seit 1. Juli ist er nun offiziell Mitgeschäftsführer und -eigentümer der TIW. Der Übernahmeprozess lässt sich mit Fug und Recht als „geordnete Nachfolge“ bezeichnen. Nur einer der beiden Altinhaber hat sich bislang aus der Firmenleitung zurückgezogen. Buchmüller behält in seiner neuen Funktion also vorerst einen erfahrenen Führungskollegen an der Seite. Auch der Geschäftsführer „außer Dienst“ bleibt zunächst operativ im Unternehmen tätig und unterstützt weiter mit Rat und Tat. Dies hat auch der zweite Geschäftsführer vor, wenn er sich in naher Zukunft sukzessive aus dem Betrieb verabschieden wird. Dann, so ist der Plan, soll sein Sohn ihn ersetzen. Dieser arbeitet ebenfalls schon seit seiner Jugend in der Firma mit und steht kurz vor Abschluss seines Ingenieurstudiums. Im nächsten Jahr will er in die Geschäftsleitung mit einsteigen, womit der Generationenwechsel endgültig vollzogen wäre. Buchmüller und sein künftiger Co-Geschäftsführer haben neben einem guten persönlichen Draht auch eine besondere Gemeinsamkeit: Beide feiern am gleichen Tag Geburtstag. Und als ob das noch nicht Zufall genug wäre, fällt auch der Geburtstag ihrer Frauen auf den gleichen Tag. Wenn das mal kein gutes Omen für eine erfolgreiche Geschäftspartnerschaft ist …

 

Bildquelle: Tief- und Ingenieurbau GmbH Weischlitz