29.06.2021

Übernahme im gemischten Doppel – Nachfolgeduo untermauert lokale Verankerung von Leipziger Sanierungsbetrieb

Es weht ein frischer Wind bei der ehemaligen Plate Bau- und Sachsanierung Leipzig GmbH. Ein „Wind of Change“, wie ihn einst die Scorpions besangen und damit der Umbruchsstimmung kurz vor dem Mauerfall musikalischen Ausdruck verliehen. Der Song wurde zur Hymne der deutschen Wiedervereinigung. In diese Zeit, nämlich ins Jahr 1990, fällt auch die Gründung des Plate Bauunternehmens. Der erste sächsische Fachbetrieb für Gebäudesanierungen nach Brand- und Wasserschäden entstand als Ableger der Plate Dienstleistungsgruppe aus Niedersachsen und ist ein gutes Beispiel für die Verständigung zwischen Ost und West: Zwar hielt Firmenoberhaupt und Namensgeber Joachim Plate bis zuletzt die Mehrheitsanteile an der Leipziger Firma, die operative Geschäftsführung oblag aber einem ortsansässigen Mitinhaber. Im Zuge einer Nachfolgeregelung wurde der Betrieb zum 1. November 2020 von Janine Schmidt und Thomas Böttger übernommen, die ebenfalls aus der Messestadt stammen.

Die beiden Neu-Inhaber führen das Unternehmen nun unter neuer Firmierung als „direkt sanierungsunion“ weiter. Die einstige Tochterfirma hat sich damit zu einem eigenständigen, vollsächsischen Betrieb emanzipiert, mit dem noch weitere Marktanteile im Großraum Leipzig erschlossen werden sollen. Zuvor hatten MBG und BBS gemeinsam die Grundlage für ein Finanzierungspaket der Sparkasse Leipzig geschaffen, das dem Firmenkauf diente, aber auch das laufende Tagesgeschäft und weitere Investitionen abdeckt.

Mit der Gründung der direkt sanierungsunion tauschten Janine Schmidt und Thomas Böttger ihre alten Angestelltenjobs gegen die berufliche Selbständigkeit. So viele Vorzüge die Übernahme eines etablierten Betriebs hat, so kostenintensiv ist auch der Erwerb. Bei der finanzierenden Hausbank legte Janine Schmidt großen Wert darauf, „eine regional verankerte Bank an unserer Seite zu haben, die uns hier vor Ort in Leipzig persönlich betreut und immer für uns erreichbar ist.“ Die Wahl fiel auf die Sparkasse Leipzig, vor allem auch weil sich der zuständige Kundenberater sehr engagiert zeigte: „Herr Fromm hat uns sehr gut beraten und sich auch intern für uns eingesetzt. Zudem ist er flexibel auf unsere Anforderungen eingegangen, was das Angebot der Sparkasse Leipzig letztlich am attraktivsten für uns machte.“ Weshalb der Sparkassenvertreter Martin Fromm zugleich die BBS und die MBG in die Finanzierung involvierte, erläutert er selbst: „Unter Berücksichtigung der Unternehmensbewertung sowie der geplanten weiterführenden Investitionen war die Einbindung einer stillen Beteiligung der MBG notwendig. So konnten wir wiederum die Eigenkapitalquote erfüllen, die die BBS zur Stellung einer Ausfallbürgschaft für die Fremdkapitaltranche benötigt.“ In diesem Zusammenhang betont er außerdem: „Die Abstimmungen mit den Kolleginnen und Kollegen der BBS und MBG verliefen dabei gewohnt konstruktiv und lösungsorientiert, sodass in allen beteiligten Gremien eine schnelle Votierung im Sinne der Nachfolger Frau Schmidt und Herr Böttger erreicht werden konnte."

Durch den gemeinsamen Firmenkauf sind die beiden jetzt nicht mehr nur ein privates Paar und stresserprobte Eltern dreier Kinder, sondern auch als Geschäftspartner verbunden. In Form eines Asset Deals erwarben sie das gesamte operative Geschäft, einschließlich aller Gerätschaften. Lediglich die Firmenimmobilie bleibt vorerst im Besitz des Alt-Inhabers, ein künftiger Abkauf ist aber fest eingeplant. Mindestens genauso wertvoll wie die Sachwerte sind ohnehin die Menschen, die intern und extern hinter der Firma stehen. „Wir haben mit dem Unternehmen einen über 30 Jahre gewachsenen Kundenstamm übernommen sowie sechs motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein eingespielten Team sind,“ erklärt Thomas Böttger. Er ist seit über 14 Jahren in der Sanierungsbranche tätig und bringt selbst ein breites Netzwerk an Kontakten mit – sowohl was Auftraggeber als auch qualifizierte Fachkräfte aus dem Handwerk angeht. Zwischenzeitlich wurden bereits sechs zusätzliche Personen eingestellt – allein um die zusätzlichen Kunden bedienen zu können, die Thomas Böttger in den neuen Betrieb folgten. Sie erhalten bei der direkt sanierungsunion vielfältige Innenausbauleistungen wie Mauern, Putzen, Fliesenlegen oder Tischlern aus einer Hand. Das berufliche Metier von Co-Gesellschafterin Janine Schmidt ist die Finanzverwaltung. Sie hat ein wachsames Auge darüber, dass die Bilanz am Ende des Geschäftsjahres stimmt und zieht ein positives Zwischenfazit: „Mit der Übernahme haben wir unser gesichertes Einkommen aufgegeben und sind voll ins Risiko gegangen. Entsprechend groß war die Anspannung zu Beginn. Heute können wir erleichtert sagen: Trotz Lockdown haben wir das erste halbe Jahr erfolgreich gemeistert und sind sowohl als Unternehmen wie auch als Menschen gewachsen.“

Hinter dem Unternehmerpaar liegen arbeitsreiche Monate, in denen sie bereits kräftig in die Modernisierung der Geschäftsausstattung, etwa in Trocknungstechnik und Werkzeuge, investiert haben. Auf der neu angeschafften Fahrzeugflotte und Arbeitskleidung prangt selbstbewusst der jetzige Firmenname „direkt sanierungsunion“. Die neue Unternehmensidentität manifestiert sich aber auch im täglichen Miteinander. Thomas Böttger pflegt nach eigenen Aussagen einen offenen, kollegialen Führungsstil: „Meine Angestellten sollten keine Berührungsängste haben und jeden Tag gern auf Arbeit kommen. Deshalb möchte ich auch eine offene Fehlerkultur etablieren. Fehler sind menschlich. Wichtig ist, dass wir offen darüber reden und die Probleme lösen.“ Die Rolle der Führungskraft ist dem Leipziger nicht neu, der zuvor als Niederlassungsleiter für verschiedene Firmen aus dem Baugewerbe tätig war. Die berufliche Unzufriedenheit ließ in ihm den Wunsch keimen, selbstbestimmt arbeiten zu können und seine eigenen Ideale zu verwirklichen. Auch wenn sein jüngstes Kind gerade einmal fünf Jahr alt ist, denkt er schon heute an seine Nachfolge. Genau dieser Weitblick ist es, der ihn zu nachhaltigem Unternehmerhandeln motiviert: „Ich möchte den Betrieb einmal mit gutem Gewissen in die Hände der nächsten Generation geben können – wer auch immer einmal in unsere Fußstapfen treten wird.“ Eins ist schon heute gewiss: Wird er einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin finden, die genauso strukturiert und ambitioniert an die Übernahme geht wie er und seine Lebensgefährtin, ist es um die Zukunft der direkt sanierungsunion sehr gut bestellt.

 

Bildquelle: direkt sanierungsunion GmbH