05.05.2021

Das kann sich sehen lassen – Leipzigerin eröffnet modernen Fachbetrieb für Augenoptik

Optikerin, Handwerkerin, Geschäftsfrau, Kundenbetreuerin, Marketingverantwortliche. Auf der Visitenkarte von Ines Wisweh könnte eine ganze Reihe von Jobtiteln stehen, denn sie betreibt seit Kurzem ein Ein-Frau-Unternehmen: Zum 1. April 2021 hat sie die schon viele Jahre in ihr keimende Wunschvorstellung verwirklicht und in Leipzig die „Optik im Bachviertel“ eröffnet. Das macht sie zugleich auch noch zur Gründerin, womit sie einer seltenen Spezies des Homo Oeconomicus angehört: Laut einer Erhebung des Wirtschaftsdienstes Databyte wurden lediglich 17,3 % der im letzten Jahr in Sachsen gegründeten Unternehmen von Frauen gegründet. Im Bundesländervergleich liegt der Freistaat damit unter den Top 3.

Dennoch scheint das Unternehmertum auch hierzulande keine weibliche Domäne. Von allen erwerbstätigen Frauen in Sachsen sind lediglich 8 % selbständig, vermeldet das Staatsministerium für Gleichstellung und Integration. Umso mehr Aufmerksamkeit verdienen mutige Frauen wie Ines Wisweh, die mit einem durchdachten Business Plan in die Selbständigkeit starten. Und obwohl sie als Solo-Unternehmerin agiert, fühlte sie sich bei ihrer Existenzgründung keinesfalls allein gelassen. Während sich die Sparkasse Leipzig gemeinsam mit der BBS für die Finanzierung stark machte, beriet die Handwerkskammer zu Leipzig zu vielfältigen Grundsatzfragen der Unternehmensgründung und -führung.

Vor dem Wechsel in die berufliche Unabhängigkeit hatte Ines Wisweh bereits verschiedene Augenoptikfilialen als Angestellte geleitet und zum Teil selbst mit aufgebaut. Die Diplom-Ingenieurin für Augenoptik führte sowohl Filialen von kleineren, lokalen Fachbetrieben also auch von überregionalen Konzernen. Die Gründung eines eigenen Unternehmens, für das sie einerseits Fremdkapital benötigte und andererseits die volle finanzielle Verantwortung trägt, widerspricht auf den ersten Blick dem Naturell der Gründerin: „Ich bin ein sehr sicherheitsliebender Mensch und scheue mich daher eigentlich vor Krediten. Ein Kredit bedeutet immer Verpflichtungen. Gleichzeitig bestehen nicht erst in Corona-Zeiten immer Unsicherheiten, inwieweit man diesen Verpflichtungen in der Zukunft nachkommen kann.“ Umso beruhigender ist es für sie zu wissen, dass die Bürgschaftsbank Sachsen zusätzliche Sicherheiten einbringt – und im Ernstfall auch einen Teil des finanziellen Risikos für sie mitträgt. Der Sicherheitsfaktor war nicht nur für sie als Gründerin enorm wichtig, wie Ines Wisweh erklärt: „Als Person mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis kann ich sehr gut nachvollziehen, dass auch die Sparkasse Leipzig eine ‚Hintertür für den Notfall‘ haben will, wenn sie mir einen so großen Vertrauensvorschuss in Form eines Kredites gibt. Diese Notfalltür hält die BBS mit ihrer Ausfallbürgschaft offen.“

Die Zusammenarbeit mit der BBS war von Seiten der Sparkasse Leipzig durch den Firmenkundenberater Martin Fromm in die Wege geleitet worden. Der Spezialist für Gründungsfinanzierungen rekapituliert: „Frau Wisweh überzeugte uns mit ihrer Vision von einem ganzheitlich ausgerichteten Kompetenzzentrum rund um das Thema Augengesundheit, das mit modernster technischer Infrastruktur weit über das Spektrum des klassischen Optikerhandwerks hinausgeht.“ Die Ausstattung der Geschäfts- und Werkstatträume, die Ines Wisweh in einem Neubau in Leipziger Zentrumsnähe bezog, verursachte entsprechend den größten Kostenblock. Denn der Qualitätsanspruch an ihre Arbeit sollte sich auch in der hochwertigen Einrichtung widerspiegeln – genauso wie das technische Augenmerk, das sie als studierte Maschinenbauerin mitbringt. Daher investierte sie auch in fortschrittliche Screening-Technik wie ein Wellenfrontmessgerät zur Analyse des Augendrucks und in eine Fundkamera zur Netzhautvermessung. Das alles hatte natürlich seinen Preis, wie Martin Fromm erläutert: „Die umfangreiche Gesamtfinanzierung sah neben zwei Hausbankdarlehen und zwei nachrangigen KfW-Tranchen auch die Ausfallbürgschaft der BBS vor.“ In diesem Kontext betont auch die konstruktive Kommunikation aller beteiligten Partner, bis hin zur Handwerkskammer, die ein zügiges Kreditvotum innerhalb von nur einem Monat erlaubten.

Erste Anlaufstelle für die Gründerin war die Handwerkskammer zu Leipzig gewesen, deren Betriebsberaterin Katrin Schadwinkel rückblickend festhält: „Wir waren beeindruckt davon, mit welch konkreten Vorstellungen und wie gründlich vorbereitet sich Frau Wisweh an uns wendete.“ Im Folgenden navigierten sie und ihre Kollegen die angehende Unternehmerin unter anderem durch die Fördermittellandschaft und gaben juristische Hilfestellung in Form eines Mietvertrags- und Website-Checks. Die Kammervertreterin sieht die Optik im Backviertel fachlich bestens aufgestellt: „Frau Wisweh ist Augenoptikerin mit Leib und Seele. Sie verfügt über tiefgründiges Wissen auf ihrem Gebiet und hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, Menschen umfassend zur Augengesundheit zu beraten und zu betreuen.“ Um für jeden Kunden die individuell passende Sehhilfe zu finden, nimmt sie sich bewusst Zeit. Die gebürtige Magdeburgerin brennt für ihren Beruf, den sie laut eigener Aussage immer wieder wählen würde: „In meinem ursprünglichen Schreibtischjob als Ingenieurin habe ich schnell gemerkt, dass mir der Kontakt zum Kunden fehlt. Das Berufsfeld der Augenoptik erlaubt mir, meine handwerklich-technisches Interesse mit meiner Leidenschaft für Menschen und ihre Geschichten zu verbinden.“ Die nächsten Etappenziele hat die neue Geschäftsinhaberin schon vor Augen: In fünf Jahren will sie sich Optikerin vor Ort in Leipzig etabliert und zahlreiche Kunden, am liebsten durch Weiterempfehlung, gewonnen haben. Und dann, so wünscht sie sich, ist ihr Unternehmen mehr als nur eine One-Woman-Show.

Bildquelle: Optik im Bachviertel