14.06.2022

Mit dem Mut zur Veränderung – Plasticard-ZFT meistert Nachfolgefrage und Coronapandemie

Ein Blick ins Portemonnaie offenbart: Wir setzen in vielen Lebensbereichen alles auf eine Karte. Ob Führerschein, Mitarbeitendenausweis, Clubkarte fürs Fitnessstudio oder Bonuskarte für die Drogerie – im Alltag zücken wir immer wieder ein dünnes, bedrucktes Stück Plastik, um uns auszuweisen, zu bezahlen, Türen zu öffnen und, und, und. Namhafte deutsche Unternehmen wie die Lufthansa, Audi, Bosch oder Siemens vertrauen für ihr Kartenmanagement auf ein sächsisches Unternehmen: Die Plasticard-ZFT GmbH & Co. KG entwickelt und produziert in Dresden eine schier grenzenlose Vielfalt an Karten mit unterschiedlichsten Formen, Designs, Sicherheitsmerkmale und Funktionen.

Unter der Kartenoberfläche verbergen sich weit mehr Informationen als mit dem bloßen Auge sichtbar. Um Daten verschlüsselt auf die Karten zu speichern und für Lesegeräte zugänglich zu machen, verwenden die firmeneigenen IT-Profis komplexe Technologien. Als Datenträger fungieren etwa Magnetstreifen, Kontaktchips oder die immer stärker verbreiteten RFID-Chips. Die aktuelle Knappheit an Halbleitern trifft daher auch die Plasticard-ZFT. Sie erfordert eine längerfristige Ressourcenplanung und somit auch zusätzliches Kapital. Mit einer Bürgschaft schaffte die BBS nun die finanzielle Grundlage für eine vorsorgliche Aufstockung des Materiallagers. Die MBG ist dem Unternehmen schon mehrere Jahre als stiller Gesellschafter verbunden. Im Zuge der Nachfolgeregelung hatte sie im Jahr 2019 Beteiligungskapital bereitgestellt.

Die heutigen Geschäftsführer René Blankenhagel und Christian Reuther arbeiteten vor ihrem Eintritt in die Plasticard-ZFT bereits zusammen in der Schweiz für einen internationalen Kartenhersteller. Für die Übernahme kehrte der Dresdner René Blankenhagel in seine Heimat zurück. Zur Plasticard-ZFT waren er und sein Geschäftspartner schon einige Jahre vor dem Firmenkauf gewechselt – damals als kaufmännischer bzw. technischer Leiter und bereits mit festen Übernahmeabsichten. Denn Jürgen Werner und Frank Hertel, die Gründer und vormaligen Geschäftsführer, hatten ihren Ruhestand weitsichtig vorbereitet. Die Überschneidungszeit nutzten die Nachfolger in spe, um sich ein authentisches Bild vom Unternehmen zu machen und ein Konzept für die Kaufpreisfinanzierung zu erarbeiten. Mit den Alteigentümern verständigten sie sich schließlich auf einen Asset Deal. Dabei waren auch die Gespräche mit der MBG sehr hilfreich, wie René Blankenhagel berichtet: „Wir haben zum ersten Mal im Leben ein Unternehmen gekauft und waren daher auf erfahrene Partner angewiesen, die uns zur Seite stehen und zu Finanzierungsoptionen aufklären. Bei Frau Krause, unserer Ansprechpartnerin bei der MBG, haben wir uns gleich sehr gut betreut gefühlt.“ Letztlich ging die MBG eine stille Beteiligung ein, die mit einem siebenstelligen Betrag dotiert war und durch ihre Bilanzierung als Eigenmittel zugleich ein belastbares Finanzpolster für Krisenzeiten darstellt.

Nur wenige Monate nach der Übernahme wurden die neuen Inhaber von Plasticard-ZFT durch die Coronapandemie auf eine erste, harte Bewährungsprobe gestellt. Als größte Herausforderung für das Kerngeschäft sollte sich bald der Engpass bei Mikrochips erweisen. „Aufgrund der durchbrochenen Lieferketten mussten wir uns auf einen neuen Modus Operandi einstellen und unseren Planungshorizont bei der Materialbeschaffung auf bis zu zwei Jahre ausdehnen“, erklärt René Blankenhagel. Das bedeutete vor allem auch, sogenannte „Wafer“ – Siliziumscheiben, die die Basis für Chips bilden – auf Vorrat einzukaufen. „Die umfassende Lagerhaltung bindet größere Mengen an Kapital, das sich erst in der weiteren Zukunft refinanziert. Diese zeitliche Lücke konnten wir mit Hilfe der Bürgschaftsbank überbrücken.“ Mit ihrer Ausfallbürgschaft sicherte sie Plasticard-ZFT ein Bankendarlehen und damit Liquidität. Darüber hinaus nutzten die beiden Neuunternehmer die internationalen Kontakte aus ihrer Konzernkarriere, um den Halbleiterhersteller NXP für eine strategische Partnerschaft zu gewinnen und unmittelbaren Einfluss auf die Lieferantenplanung zu nehmen. Durch die unsicheren Zeiten haben sie Plasticard-ZFT bislang mit Bravour navigiert. Seit der Übernahme ist das Team auf 85 Mitarbeitende angewachsen, die fast alle am sächsischen Firmensitz beschäftigt sind. Über Vertriebspartner im Ausland wird auch die internationale Expansion vorangetrieben, wobei das Hauptaugenmerk auf dem Nahen Osten und Skandinavien liegt.

Die Produktion erfolgt derweil weiter in Dresden. Nachdem in einem ersten Schritt die Rohlinge erstellt und Chips implantiert werden, erhalten die Karten durch den Aufdruck von Portraitbildern oder Namen ihre personalisierte Optik. Beim Codiervorgang werden die Chips schließlich mit allen funktionsrelevanten Informationen beschrieben. Dies geschieht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen, wie René Blankenhagel betont: „IT-Security spielt eine zentrale Rolle bei uns. Wir investieren kontinuierlich in Datensicherheit. Das beginnt schon damit, dass wir die Daten vom Kunden in einer geschützten IT-Umgebung entgegennehmen.“ Was die Einsatzfelder der Karten anbelangt, so hat man mit der Elektromobilität einen wichtigen Zukunftsmarkt erschlossen. Hier kommen ID-Medien zur Anwendung, um das E-Charging an Ladesäulen freizuschalten. Ein weiterer Fokusbereich sind die sogenannten Campusanwendungen: Im Rahmen des Pilotprojektes „Campus4You“ hat man erst kürzlich einen multifunktionalen Ausweis für Studierende der HTW Dresden und TU Dresden kreiert. Ein integrierter RFID-Chip regelt u. a. Zutritt zu Seminarräumen und zur Bibliothek. Zugleich dient der Ausweis als Bezahlkarte in den Mensen sowie als Semesterticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Parallel werden bei Plasticard-ZFT bereits virtuelle Karten entwickelt, die ganz ohne Kunststoff auskommen und daher besonders nachhaltig sind. Sie speichern und übermitteln Daten digital per App. Somit können Smartphones und andere elektronische Gadgets unser Portemonnaie schon bald als Kartendepot ergänzen.

 

Bildquelle: Plasticard-ZFT GmbH & Co. KG

Wie genau die Kartenproduktion abläuft, zeigt dieser Imagefilm der Plasticard-ZFT:

 

 

Deal-Team der MBG / BBS:

Lars Wiehe
Lars Wiehe, Regionalleiter
Telefon +49 172 6028464
Jeannette Krause
Jeannette Krause, Senior-Beraterin
Telefon +49 151 534298-43