04.03.2021

(K)Eine Frage des Alters – sächsischer Jungunternehmer übernimmt Elnic in Dresden

Die so deklarierte „Generation Y“ – die Generation der in den 80er und 90er Jahren Geborenen – muss sich so einige Vorurteile gefallen lassen, was ihre Arbeitsmoral angeht. Sie sei undiszipliniert, flatterhaft und überhaupt viel zu freizeitorientiert heißt es nicht selten. Den personifizierten Gegenbeweis liefert Hans Lehmann aus Ostsachsen. Er steht mit Anfang 30 fest im Leben und ist so manchem Altersgenossen in Sachen Zielstrebigkeit und Ehrgeiz weit voraus. Seine Laufbahn als Mechatroniker begann er mit einem dualen Ingenieursstudium an der Hochschule Zittau/Görlitz. Noch in den ersten Berufsjahren bildete er sich bei der IHK Dresden zum technischen Betriebswirt weiter. Kaufmännische Aufgaben wie Vertrieb und Kalkulationen gehörten in seinem damaligen Projektleiter-Job bereits zum Arbeitsalltag von Hans Lehmann, der frühzeitig unternehmerische Ambitionen hegte: Sein Plan war, eine bestehende Firma zu übernehmen.

In der Elnic in Dresden GmbH (kurz: Elnic) fand er schnell sein Wunschunternehmen für eine Nachfolge und bereitete sich mit Hilfe der IHK Dresden gründlich auf das Kapitel „Selbständigkeit“ vor. Für eine erfolgreiche Übernahme reicht Eigeninitiative allein jedoch nicht aus – wie auch das Eigenkapital, das im Falle von Hans Lehmann schon aus Altersgründen begrenzt ist, oftmals nicht für einen Firmenkauf genügt. Damit er sich bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden das nötige Fremdkapital beschaffen konnte, stellte sich die BBS als Bürge hinter den Nachwuchsunternehmer.

Mit der Elnic hat Hans Lehmann gezielt ein Unternehmen aus dem Bereich Automatisierungstechnik, seinem Spezialgebiet, übernommen. Die Firma projektiert, fertigt, installiert und wartet maßgeschneiderte Elektroanlagen zur Steuerung komplexer Maschinen, bei denen vorgefertigte Schaltschränke zu kurz greifen. Über 30 Jahre existiert der Betrieb bereits erfolgreich in Sachsen. „Die Förderung regionaler Unternehmen wie der Elnic in Dresden GmbH und das Bewahren mittelständischer Traditionen ist der Ostsächsischen Sparkasse Dresden ein besonderes Anliegen“, betont Firmenkundenberaterin Simone Zimmermann. Sie erklärt weiter: „Herr Lehmann kam als neuer Kunde zu uns. Durch seine sehr überzeugende Persönlichkeit, das insgesamt stimmige Übernahmekonzept, seine umfassenden fachlichen und kaufmännischen Fähigkeiten und nicht zuletzt durch seine Leidenschaft für das Unternehmen hat er uns schnell für sich gewonnen.“  Die Hausbankvertreterin weist darauf hin, dass es gerade für junge Nachfolger eine Hürde darstellt, genügend Vermögenswerte zur Absicherung eines Übernahmekredits mitzubringen. Um Hans Lehmann bei der Überwindung dieser Hürde zu unterstützen, kooperierte die Ostsächsische Sparkasse Dresden eng mit der BBS. Diese konnte mit ihrer Ausfallbürgschaft gewährleisten, dass die Nachfolgefinanzierung unabhängig vom Alter erfolgreich verlief. Die Zusammenarbeit mit Kathrin Heim, seiner Ansprechpartnerin bei der BBS, hatte laut Hans Lehmann auch einen psychologischen Wert: „Ich habe mich sehr gut beraten und aufgehoben gefühlt. Bei solch hohen Summen, wie sie bei einem Firmenkauf zu Buche schlagen, will man schließlich mit einem guten Gefühl ins Bett gehen und nachts ruhig schlafen können.“

Durch seine Eltern, die als selbständige Töpfermeister arbeiten, bekam Hans Lehmann das Unternehmerdasein schon in Kindheitstagen vorgelebt. Für ihn stand außer Frage, dass er eine Firma im Osten Sachsens übernehmen und in die Zukunft führen will: „Ich bin in der Region verwurzelt. Mir liegt es persönlich am Herzen, dass es hier wirtschaftlich weitergeht.“ Seit 2015 ist er als ehrenamtlicher Prüfer im Bereich Mechatronik für die IHK Dresden tätig, die auch bei seiner Übernahme eine wichtige Rolle spielte. Grit Fischer, Referatsleiterin Wirtschaftsförderung, erinnert sich: „Hans Lehmann hatte sich 2019 fast zeitgleich mit dem Altinhaber der Elnic in Dresden GmbH mit seinem Nachfolgewunsch an die IHK Dresden gewandt. Über die Unternehmensbörse nexxt-change und unsere Vermittlung haben die beiden zueinander gefunden.“ Um die Firmenanteile des alten Hauptgesellschafters Rainer Berge abzukaufen, gründete der Nachfolger eine eigene Erwerbsgesellschaft. Während des gesamten Übernahmeprozesses erhielt er fachkundige Unterstützung von der IHK Dresden, wie Grit Fischer erläutert: „Konkret haben wir ihn mit umfangreichen Infomaterialien versorgt, uns für eine geförderte Beratung durch einen externen Berater ausgesprochen, Finanzierungsvorschläge zur Planung der Übernahmefinanzierung erstellt, die firmenrechtliche Prüfung für den Eintrag der Holding übernommen und last but not least die fachliche Stellungnahme zum Vorhaben für die Bürgschaftsbank erstellt.“

Zum 1. Januar 2021 hat Hans Lehmann nun offiziell die Nachfolge in der Elnic angetreten. Zu dem Zeitpunkt waren die eigenentwickelten Elektroanlagen des Unternehmens bereits in über 80 Ländern installiert, besonders häufig im Kulturbetrieb: In der Oper Minsk in Weißrussland, in der Shanghai Cultural Plaza in China oder im Teatro del Lago in Chile wird die Bühnentechnik genauso von Elnic-Systemen gesteuert wie in der Semperoper in Dresden. Aber auch in anderen Branchen wie der Pharma- oder Halbleiterindustrie kann man internationale Referenzen vorweisen. Die Kunden schätzen vor allem, dass die Elnic selbst kurzfristige Aufträge termingerecht und zuverlässig umsetzt. Die wertvollste Ressource sind ihre 35 Angestellten und deren langjähriges Knowhow. Daher wollte Hans Lehmann vor dem offiziellen Übernahmetag unbedingt mit jedem Einzelnen ins Gespräch kommen: „Mir war es wichtig, mich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich vorzustellen und sie besser kennenzulernen. Ich möchte eine vertrauensvolle Verbindung zu dem Team aufbauen. Für mich ist die zwischenmenschliche Komponente entscheidend für eine langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Heute fühle er sich bereits im Unternehmen ankommen. Er will an die Leistungen seines Vorgängers anknüpfen und zugleich neue Chancen nutzen. Speziell in den Bereich Digitalisierung – repräsentiert durch Schlagworte wie „Internet of Things“ und „Industrie 4.0“ – möchte er investieren, um den Kunden auch weiterhin zukunftsträchtige Lösungen bieten zu können.

Bleibt zum Schluss die Frage: Welchen Rat würde Hans Lehmann anderen Menschen mit auf den Weg geben, die seinem Beispiel folgen und einen Betrieb übernehmen möchten? Auf diese Frage antwortet er so bodenständig und besonnen, wie er auch die gesamte Firmenübernahme abgewickelt hat: „Ich kann anhand meiner Erfahrungen nur empfehlen, ein solides Konzept aufzustellen. Dabei sollte man das große Ganze sehen, sich aber immer auch über die Details Gedanken gemacht haben. Nur wenn man selbst einen konkreten Plan hat und für diesen einsteht, kann man andere für sein Vorhaben begeistern und im Zweifel auch Rückfragen souverän beantworten. Schließlich braucht man starke Partner, die an einen glauben und hinter einem stehen – nicht nur, aber gerade auch wenn man wie ich noch jünger ist und noch keinen langjährigen Finanzhintergrund und Unternehmererfahrung vorweisen kann. Daher bin ich für die Unterstützung, die ich von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der IHK Dresden und der Bürgschaftsbank Sachsen erfahren habe, sehr dankbar.“

 

Bildquellen:

Bilder der Schaltanlagen: Elnic in Dresden GmbH

Hans Lehmann im Portrait: Julia Herold