03.03.2021

An der Schnittstelle von Mensch und Technik – GETT Industrie-Tastaturen aus dem Vogtland finden weltweit Einsatz

Raus aus der Komfortzone, rein in den Ausnahmezustand: Als die Corona-Pandemie im März 2020 in Europa aufzog, war die international ausgerichtete GETT Gerätetechnik GmbH unmittelbar von den wirtschaftlichen Konsequenzen betroffen. Die Nachfrage nach hochwertigen Spezial-Bedienlösungen für die Industrie, dem Kerngeschäft des Unternehmens, knickte spürbar ein. Das firmeneigene Werk in China operierte da bereits im Krisenmodus. Am Hauptsitz im vogtländischen Treuen, an dem ebenfalls produziert wird, lieferte man in diesen Tagen ein Paradebeispiel für Agilität und Adaptionsfähigkeit: Buchstäblich „von heute auf morgen“ entwickelt das GETT-Team Gesichtsvisiere, Spuckschutzwände und andere Produkte zum Schutz vor dem bedrohlichen Virus. Die Nachfrage war gewaltig. Ein Online-Shop wurde aufgesetzt und Konferenzräume kurzfristig in Fertigungsstrecken umfunktioniert. Die Firmenleitung setzte alle Hebel in Bewegung und die Angestellten zogen entschlossen mit – ungeachtet ihrer Stellenbeschreibung: Mitarbeiter aus der Produktion halfen im Kundenservice aus, eine Mitarbeiterin aus dem Controlling wurde zum Fotomodell für Produktbilder.

Heute ist der große Ansturm vorbei. Anders als zu Beginn der Pandemie sind Schutzartikel mittlerweile großflächig verfügbar und die GETT zum Tagesgeschäft zurückgekehrt. Geblieben ist die unsichere Wirtschaftslage. Um sich finanziell für die ungewisse Zukunft zu rüsten, nahm das Unternehmen mit Hilfe der BBS einen Kredit bei der Merkur Privatbank in Auerbach auf.

Die Bedienlösungen aus dem Hause GETT finden überall dort im industriellen Umfeld Anwendung, wo Menschen Maschinen steuern. Das Produktspektrum reicht von abwischbaren Tastaturen aus Silikon über hochmoderne Touchdisplays mit Glasoberfläche bis hin zu Bedienpanels aus Metall mit beleuchteten Schaltern und Trackballs. Die Corona-bedingten Umsatzrückgänge hatte man durch die ad hoc entwickelten „Pandemie-Produkte“ weitestgehend kompensieren können. Im Sommer 2020 war das Kerngeschäft wieder angelaufen. Vorerst bleiben der Aufschwung und damit auch die Finanzsituation jedoch fragil. Pierre Beer, der als Mit-Geschäftsführer für die Finanzen der GETT Gerätetechnik zuständig ist, wollte daher für alle Fälle abgesichert sein: „Für uns war es eine Vorsichtsmaßnahme, bei der Merkur Privatbank einen Betriebsmittelkredit aufzunehmen. Durch die Unterstützung der Bürgschaftsbank Sachsen konnten wir einen Finanzpuffer aufbauen und uns somit solide und robust für die Zukunft aufstellen – was auch immer diese bringen mag.“ Schließlich ist nach wie vor unklar, wie lang die Pandemie noch andauern wird und ob der GETT womöglich noch größere Einschränkungen wie etwa temporäre Betriebsschließungen bevorstehen. Dass die Bedenken des Firmenchefs nicht unbegründet sind, hat sich bereits bestätigt: Wenige Wochen, nachdem er im September die Bürgschaftszusage erhielt, brach die zweite Corona-Welle über die Bundesrepublik herein und traf bekanntermaßen auch Sachsen mit voller Wucht.

Dass Pierre Beer der Krise mit finanziellem Weitblick und Fachverstand begegnet, liegt auch in seiner beruflichen Vorgeschichte begründet: Er selbst war mehrere Jahre im Bankwesen tätig, bevor er als kaufmännischer Leiter zur GETT Gerätetechnik wechselte. Heute repräsentiert er die zweite Generation von Geschäftsführern des 1996 gegründeten Unternehmens. Im Zuge einer firmeninternen Nachfolge hatte er den Betrieb vor sechs Jahren zusammen mit den Kollegen Tino Pietzsch und Steve Möckel übernommen. Die Übernahmefinanzierung wurde auch schon von der Merkur Privatbank begleitet, deren Beraterin Unternehmenskunden Mittelstand, Angelique Wunderlich, heute erklärt: „In einem dynamischen und innovativen Unternehmen wie der GETT sind Transparenz und Aktualität der Unternehmenskennzahlen entscheidend, damit wir als Merkur Privatbank eine auf die aktuelle Situation passende Finanzierungslösung entwickeln konnten. Die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit war für unser Bankhaus die Basis, um mit der BBS das maßgeschneiderte Finanzierungskonzept umzusetzen.“ Angelique Wunderlich betont weiterhin, dass die Merkur Privatbank als inhabergeführtes Kreditinstitut genauso wie die GETT und viele andere Mittelständler in Sachsen weiß, wie wichtig ein solider und ausreichend hoher Liquiditätsspielraum ist. Für die langfristige Finanzplanung ihrer Kunden seien die Bürgschaften der BBS immer wieder eine bedeutende Säule.

Die Kunden von GETT profitieren dagegen von langlebigen Bedienelementen, die den besonderen Anforderungen in der Industrie und Medizin gerecht werden. „Unsere Produkte sind für anspruchsvolle Bedienumgebungen konzipiert, in denen die Standardelektronik nicht mehr mithalten kann,“ erklärt Pierre Beer. So befinden sich Tastaturen von GETT etwa in Sibirien, bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt, im Außeneinsatz, aber auch in der Wüste in Dubai, wo sie in Anlagen zur Ölbeförderung bis zu 60°C Hitze trotzen. Hierzulande findet man GETT-Entwicklungen u. a. in der Wernesgrüner Bierbrauerei im Vogtland oder auch in hygienesensiblen medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Arztpraxen. Über 1.000 verschiedene Produktvariationen hat die GETT im Angebot. Sollte ein Kunde dennoch nicht fündig werden, entwirft und baut man kurzerhand ein neues Produkt nach seinen Vorstellungen. Unter dem Geschäftsführer-Trio wurde in der Prä-COVID-Ära vor allem auch die Expansion ins Ausland vorangetrieben. In Asien widmen sich mittlerweile zwei Standorte dem Einkauf und der Produktion, in den USA unterhält man einen eigenen Vertriebsstützpunkt für Nordamerika. Mittlerweile beschäftigt die GETT weltweit 185 Angestellte, den Großteil nach wie vor in Treuen. Die Corona-Pandemie hat das Unternehmen soweit gut verkraftet, wie Pierre Beer abschließend festhält: „Keines unserer wirtschaftlichen Worst-Case-Szenarien ist bislang eingetreten. Wir haben die zusätzlichen Finanzreserven von der Bank glücklicherweise noch nicht antasten müssen. Nichtsdestotrotz ist es enorm beruhigend zu wissen, dass wir im Notfall schnell handlungsfähig sind.“

Übrigens: Für ihre beispielhafte Nachfolgeregelung wurde die GETT im Jahr 2018 von der BBS mit dem Sächsischen Meilenstein ausgezeichnet. Das Unternehmen sicherte sich den Preis für erfolgreiche Unternehmensübernahmen in der Kategorie „unternehmensinterne Nachfolge“, wie dieses Video dokumentiert. 


Bildquelle: GETT Gerätetechnik GmbH