10.12.2020

Fortsetzung folgt mit vertrautem Protagonisten – Mitarbeiter übernimmt im Leipziger Abbundzentrum den frei gewordenen Chefsessel

Vom Baum zum Wohnraum. So lässt sich der Entstehungsprozess eines Holzhauses in aller Kürze zusammenfassen. Einen essentiellen Teil dieser Wertschöpfungskette deckt das Abbundzentrum Leipzig ab. Der Meisterbetrieb ist spezialisiert auf die Vorfertigung von Holzbaukonstruktionen wie etwa von Dachstühlen, Kirchtürmen und Balkonen; zudem werden Holzrahmen sowie Wand- und Deckenelemente für Komplettholzhäuser produziert. Damit knüpft das Abbundzentrum an eine uralte Praxis an: Schon der Neandertaler griff auf Holz zurück, um Trägerkonstruktionen für seine Zelte zu bauen. Heute, rund 120.000 Jahre später, erlebt das natürliche Baumaterial einen regelrechten Boom.

Mit dem ökologischen Bewusstsein in der Gesellschaft steigt auch die Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz, der durch seine hervorragenden Dämmeigenschaften auch den Energieverbrauch schont. Das neue Nachhaltigkeitsdenken unter Bauherren und -frauen fördert das Geschäft des Abbundzentrums, das sich seit 1994 auf die handwerkliche und maschinelle Verarbeitung von Holz versteht. Jetzt hat das Unternehmen auch auf personeller Ebene Nachhaltigkeit demonstriert: Als der bisherige Eigentümer altersbedingt ausschied, übernahm der langjährige Mitarbeiter Daniel Kanyai die Firma – möglich gemacht wurde der Firmenerwerb von der BBS, die eine Bürgschaft gegenüber der Deutschen Bank einging.

Mit dem firmeninternen Eigentümerwechsel gelingt dem Abbundzentrum Leipzig eine Nachfolgeregelung, wie sie sich wohl viele Unternehmer wünschen. Die oftmals langwierige Suche nach einem Übernehmer blieb dem Alteigentümer Ullrich Röger erspart. Sein Mitarbeiter Daniel Kanyai, seit 2011 im Betrieb beschäftigt, ging eigeninitiativ auf ihn zu und bekundete sein Interesse an einer Übernahme des Betriebs. Durch seinen Job als Konstrukteur war er sowohl mit technischen als auch kaufmännischen Arbeitsschritten vertraut: „In meiner bisherigen Position kümmerte ich mich um den kompletten Prozess der Arbeitsvorbereitung – von der Konstruktion der Holzbauteile anhand der Architekten- und Statiker-Pläne bis hin zur Übersetzung der Computerzeichnungen in eine Datei für die CNC-Maschine, die dann in mehreren Bearbeitungsschritten das fertige Bauteil produziert. Die Angebotserstellung sowie die Material- und Frachtbestellung gehörten ebenfalls zu meinen Aufgaben, so dass mir auch die betriebswirtschaftliche Seite nicht fremd ist.“  Das Beispiel von Daniel Kanyai zeigt, dass auch eine noch so groß erscheinende Vision, wie der Kauf einer kompletten Firma, umsetzbar ist, wenn man die richtigen Partner an der Seite hat. Ein Leipziger Wirtschaftsbüro prüfte für ihn die rechtlichen und finanziellen Verhältnisse des zu übernehmenden Betriebs. In Sachen Finanzierung konnte er auf die Deutsche Bank und die BBS vertrauen.

Warum die Deutsche Bank dem Übernahmevorhaben hohe Erfolgsaussichten beimaß, erklärt der verantwortliche Geschäftskundenbetreuer Steffen Lehmann: „Die Qualifikation von Herrn Kanyai, seine mehrjährige Tätigkeit im Unternehmen sowie die Historie der Abbundzentrum Leipzig GmbH haben uns überzeugt.“ Im Rahmen eines Asset Deals sollte die komplette Geschäftsausstattung einschließlich Gebäuden und Maschinen an den Nachwuchs-Unternehmer und seine eigens gegründete Erwerbsgesellschaft übergehen – jedoch gab es auf dem Weg dahin noch ein Hindernis zu überwinden. Steffen Lehmann spricht aus Erfahrung, wenn er sagt: „Bei Nachfolgefinanzierungen reichen Vermögenswerte des Unternehmens oft nicht aus, um die erforderlichen Kredite zu besichern. Das war auch hier der Fall. Deshalb ist die Ausfallbürgschaft der Bürgschaftsbank Sachsen GmbH ein unverzichtbarer Bestandteil der Finanzierungskonstellation. Wir als Deutsche Bank sind sehr froh, dass wir die Fortführung des Unternehmens gemeinsam mit der Bürgschaftsbank sichern können.“ Insgesamt 13 Angestellte finden heute im Abbundzentrum Arbeit, darunter drei Zimmerermeister. In seiner Heimatstadt Leipzig kann das Unternehmen mehrere Prestigeprojekte vorweisen. So wurden die historischen Dachstühle des einstigen Ringmessehauses am Tröndlinring sowie des Bugra-Messehauses am Gutenbergplatz saniert – unter Einhaltung strenger Denkmalschutz-Richtlinien.

Neben regionalen Zimmereien und Dachdeckereien geben Bauträger aus ganz Deutschland vorgefertigte Holzbauelemente und Bausätze für Holzhäuser in Auftrag. Auch Privatpersonen bestellen beim Abbundzentrum, zum Beispiel Carports oder Vordächer. Einen neuen Wachstumsmarkt in der Baubranche hat der Betrieb mit den Tiny Houses erschlossen. Weil der Wohnraum in den Großstädten immer knapper wird und sich die Stadtbevölkerung zugleich im achtsameren Umgang mit Ressourcen übt, liegen die Kleinsthäuser aus Holz voll im Trend. Daniel Kanyai kennt die Vorzüge der Tiny Houses: „Die platzsparenden Unterkünfte lassen sich wie ein Fertigteilhaus in kürzester Zeit aus einzelnen Holzmodulen zusammensetzen und sind vergleichsweise günstig. Die notwendigen Holzbausätze werden vom Abbundzentrum konstruiert, gefertigt und vormontiert bis auf die Baustelle geliefert.“ Überhaupt ist die modulare Bauweise auf dem Vormarsch. Mit Holzmodulen aus dem Abbundzentrum wurden schon ganze Senioren-Wohnanlagen und Flüchtlingsunterkünfte errichtet. Daniel Kanyai hat aber auch selbst Baupläne für die Firma, die er nun sein Eigen nennt. Er hat ein Nachbargrundstück gekauft, auf dem demnächst eine Montagehalle und ein Bürogebäude entstehen sollen. Und wer weiß, vielleicht gibt es für das neue Investitionsvorhaben schon bald ein Wiedersehen mit der BBS…

 

Bildquelle: Abbundzentrum Leipzig GmbH