25.11.2020

Kreislauf statt Einweg – Freiberger Unternehmen bietet mehrfach preisgekrönte Technologien zum restlosen Recycling von Halbleitermaterialien

Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne – das gilt nicht nur für die vermeintlich ausgedienten Wertstoffe, die von der LuxChemtech GmbH aufbereitet und neuen Verwendungszwecken zugeführt werden, sondern auch für das Unternehmen selbst. Die zum Jahresbeginn 2020 neu eingerichtete Firma ging aus der Loser Chemie GmbH hervor. Deren einstige Geschäftsführer Dr. Ingo Röver und Dr. Wolfram Palitzsch können sich in ihrer neuen Rolle als Inhaber der LuxChemtech nun uneingeschränkt auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren: das Recycling von Halbleiterstoffen auf Basis von eigenentwickelten, patentierten HighTech-Verfahren, für die sie bereits mit dem Sächsischen Umweltpreis 2019 prämiert wurden. Erst in diesem Monat erhielten sie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zudem eine Auszeichnung für ihr transnationales Forschungsprojekt zur „kreislaufwirtschaftlichen Verwertung von Silicium aus Photovoltaik-Altmodulen“, wie auf dem Bild zu sehen.

Um das Recycling-Geschäft weiter ausbauen und dabei ihre eigenen unternehmerischen Visionen umsetzen zu können, schlugen die beiden Wissenschaftler mit der Ausgründung der LuxChemtech den Weg in die Selbständigkeit ein. Dank finanzieller Unterstützung der Deutschen Bank konnten neben den Anlagen am Freiberger Hauptsitz und am Standort Tangermünde auch die 17 Angestellten und damit langjährige Technologie-Expertise übernommen werden. Für die Deckung der laufenden Betriebskosten setzt sich zudem die BBS ein, die einen umfassenden Kontokorrentkredit absicherte. Auch seine Preissammlung kann LuxChemtech womöglich schon bald erweitern: Aktuell ist das Unternehmen für den Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis 2020 nominiert.

Kurz nach der Existenzgründung sahen sich die neuen Inhaber jedoch zunächst mit schwierigen Startbedingungen konfrontiert, die sie so unverschuldet wie unerwartet ereilten: „Als wir unseren Business Plan in Jahr 2019 erstellten, hatte noch niemand den Corona-Virus auf dem Radar, geschweige denn die wirtschaftlichen Auswirkungen einer globalen Pandemie,“ erklärt Dr. Ingo Röver. Zwar war davon auszugehen, dass die Nachfrage nach den ausgeklügelten LuxChemtech-Technologien zur Halbleiter-Rückgewinnung weiter zunimmt – schließlich ist die Wiederverwertung von Silicium und seltenen Metallen, wie sie im ständig wachsenden Segment der Mikroelektronik zum Einsatz kommen, sowohl umwelttechnisch als auch wirtschaftlich äußerst sinnvoll. Dennoch stand mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie die kurz- und mittelfristige Zahlungsfähigkeit der Kunden und damit des neu gegründeten Unternehmens potentiell in Frage. „Angesichts der unsicheren Wirtschaftslage haben wie uns in enger Abstimmung mit der Deutschen Bank für eine erhöhte Kreditmittellinie entschieden – die zusätzliche Absicherung durch die Bürgschaft der BBS war dafür unverzichtbar. Das extra Finanzpolster hat uns erlaubt, auch in der kritischen Corona-Phase ohne Geldsorgen in die Selbständigkeit zu starten.“ So konnte das Tagesgeschäft aufrecht erhalten und ein reibungsloser Übergang in die neue Firmenformation gewährleistet werden.

In Form eines Asset Deals hatten Dr. Ingo Röver und Dr. Wolfram Palitzsch alle bestehenden Firmengebäude und Maschinen von ihrem früheren Arbeitgeber abgekauft. Auch Verträge mit bestehenden Kunden gingen an die LuxChemtech über. Das nötige Darlehen für den Erwerb all dieser Wirtschaftsgüter hatte die Deutsche Bank bereitgestellt. Doch damit nicht genug. Neben dem anfänglichen Großinvestment galt es, die finanzielle Handlungsfähigkeit längerfristig zu sichern. Karsten Witaßek, Kundendirektor und Senior Experte Firmenkunden bei der Deutschen Bank, kennt die finanziellen Herausforderungen für junge Firmen nur zu gut: „Gerade in der Gründungsphase von Unternehmen ist die angemessene Liquiditätsausstattung eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Implementierung des Geschäftsmodells. Die Bürgschaftsbank ist für eine solche Betriebsmittelfinanzierung nicht nur wegen der Verteilung von Kreditrisiken ein idealer Partner für uns, vielmehr stellt auch das seit Jahren gelebte gemeinsame Relationship eine hervorragende Basis für die Begleitung sächsischer Unternehmen bei ihren Vorhaben dar.“ Die Bürgschaftsbank auch bei der LuxChemtech an Bord zu holen, sei daher nur eine logische Konsequenz gewesen, die – wie er treffend formuliert – in einer „Win-Win-Win-Situation für die Unternehmer, für uns als Hausbank und für die Bürgschaftsbank Sachsen“ resultierte.

Viele der Technologien und Maschinen, die die LuxChemtech heute zum Wertstoff-Recycling einsetzt, sind selbst entwickelt. Das kommt nicht von ungefähr, wie Dr. Wolfram Palitzsch erklärt: „Wir verstehen uns als Problemlöser. Mit unserem Erfahrungswissen und unserer Forschungsexpertise finden wir einen Weg, nahezu alle Halbleiter-Elemente neu nutzbar zu machen. Als kleines Unternehmen können wir dabei besonders agil sein und auf individuelle Kundenanforderungen eingehen.“ Mit komplexen Verfahren werden etwa Silicium-Abfälle erst mechanisch und dann chemisch gereinigt. Dabei strebt die LuxChemtech einen geschlossenen Rohstoffkreislauf an: „Wir haben den Anspruch, 100% der Reststoffe neu nutzbar zu machen. Mit unseren ausdifferenzierten Recycling-Technologien sind wir in der Lage, rückgewonnenes Silicium in verschiedenste Qualitätsstufen anzubieten – bis hin zu den höchsten Reinheitsgraden, wie sie in der Photovoltaik gefordert sind.“ Für die Weiterverarbeitung wird das Silicium in bis zu 900 kg schwere Blöcke eingeschmolzen oder auch in kleinste Korngrößen zermahlen, etwa um Glas hauchdünn zu beschichten und so robuster zu machen. Zudem fertigt man Halbzeuge oder Bauteile, z. B. für Linsen in der Optik. Aufgrund seiner hohen Verfügbarkeit und relativ überschaubaren Kosten ist Silicium in viel mehr Gegenständen enthalten als auf den ersten Blick sichtbar – und landet nach deren Lebensende dann hoffentlich bei der LuxChemtech. Denn hier schließt sich der Kreis.

 

Bildquelle: LuxChemtech GmbH