06.10.2020

Nachhaltigkeit, die über das Warenregal hinausreicht – Leipziger Biomare-Supermärkte erhalten umweltfreundliche Klimatechnik

Wir schreiben das Jahr 1997 – als man Obst und Gemüse in Bioqualität lediglich in vereinzelten Naturkost-Läden, auf dem Wochenmarkt oder im eigenen Garten bekam, nur wenige ernährungsbewusste Menschen die Herkunft des Fleisches von ihrem Sonntagsbraten hinterfragten und die hippe Stadtbevölkerung ihren Café Latte noch nicht mit Hafermilch aus ökologischer Herstellung trank. In dieser Zeit versorgte der gelernte Landwirt Malte Reupert seine Familie und Freunde schon mit nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln von Bauern aus der Region. Der Kundenkreis wuchs rasch und so startete der damalige VWL-Student bald einen kommerziellen Bio-Lieferdienst. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Heute, über 20 Jahre und viele unternehmerische Entwicklungsschritte später, führt Malte Reupert unter dem Firmennamen Biomare insgesamt drei Ladengeschäfte für Bio-Lebensmittel in Leipzig mit rund 100 Angestellten. Dabei lebt er die Maxime der Nachhaltigkeit auf ganzer Linie. Um aktiv am Klimaschutz mitzuwirken, investierte der Unternehmer jetzt in energieeffiziente und umweltverträgliche Kältetechnik für seine Geschäfte. Einen Unterstützer der Modernisierungsoffensive fand er in der BBS: Mit ihrer Bürgschaft gegenüber der Sparkasse Leipzig sicherte sie ein Firmendarlehen ab, mit dem er die technische Ausstattung der Biomare-Läden auf grünen Kurs bringen konnte. 

Anders als die großen Supermarkt-Ketten, die in den letzten Jahren einzelne Bio-Produkte aufgenommen haben, besteht das Sortiment von Biomare seit Beginn zu 100% aus biologisch erzeugten Lebensmitteln. Diese werden nach Möglichkeit von Biobauern aus der Region oder ansonsten über den Biogroßhandel bezogen. Damit sieht Malte Reupert seine Verantwortung gegenüber der Umwelt aber noch lang nicht erfüllt. Hinter den Kulissen arbeitet er strukturiert daran, den ökologischen Fußabdruck von Biomare zu verbessern: „Wir haben für uns als Unternehmen die Klimaneutralität als wichtigsten Aspekt der Nachhaltigkeit identifiziert. Aus diesem Grund lassen wir jedes Jahr eine Klimabilanz für Biomare erstellen, die vor allem auch im Bereich Kältetechnik noch Optimierungspotential offenlegte.“ So gab die empirische Datenbasis letztlich den Ausschlag dafür, dass er die Kältetheken und Kühlhäuser in allen drei Biomare-Geschäften umrüsten ließ. Die neuen, mit Ökostrom betriebenen Anlagen dienen nicht nur zum Kühlen, denn ihre Abwärme wird dem Heizkreiskauf zugeführt. Das Technik-Update hatte seinen Preis, den Malte Reupert erst mit Hilfe der BBS finanzieren konnte: „Für ein regionales, mittelständisches Unternehmen mit einer geringen Eigenkapitalquote wie Biomare war die Bürgschaft der BBS unerlässlich, um bei der Sparkasse Leipzig einen Kredit für den Umbau der Kälteanlagen aufnehmen zu können.“

Bei der Sparkasse Leipzig begleitet Senior-Firmenkundenberaterin Mara Barthel den Biomare-Gründer schon seit vielen Jahren: „Sowohl das Unternehmen als auch unsere Geschäftsbeziehung sind in dieser Zeit stetig gewachsen. Herr Reupert ist ein sehr engagierter Unternehmer mit Prinzipien und Zukunftsplänen.“ Seine jüngsten Pläne stießen bei ihr einmal mehr auf Zustimmung: „Die Ladenlokale von Biomare mit moderner Klimatechnik auszurüsten, um die CO2-Bilanz zu verbessern, ist ein klares Statement und eine Investition in die Zukunft. Das hat die Sparkasse Leipzig als Hausbank überzeugt und das wird auch seine Kunden überzeugen.“ Überzeugend sind auch die Zahlen, die Malte Reupert heute nach Umsetzung des Investitionsprojekts parat hat: „Durch die Modernisierungsmaßnahmen konnten wir den Emissionswert von ursprünglich 140 Tonnen CO2 auf einen Bruchteil von gerade einmal 1.2 kg CO2 pro Kälteanlage senken – und das bei doppelter Kälteleistung.“ Um die von Biomare verursachte Abgasbelastung weiter zu senken, zieht Malte Reupert aber noch mehr Register und stützt sich dabei wiederum auf seine Klimabilanz: Weil diese zum Vorschein brachte, dass der Arbeitsweg seiner Angestellten einen signifikanten Anteil zum gesamten CO2-Ausstoß des Unternehmens beiträgt, hat er für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das „Job-Rad“ und ein „Job-Ticket“ für den öffentlichen Personennahverkehr eingeführt.

Malte Reupert steht konsequent für seine Werte ein und genau das macht ihn so glaubwürdig. Manche mögen ihn für einen Idealist halten, aber er ist doch immer auch ein Realist. So gelangte er mit seinem ersten kleinen Laden schnell zu der Erkenntnis, dass er weiter wachsen musste, um sich Angestellte leisten und diese angemessen bezahlen zu können. Mit zunehmender Firmengröße und steigendem Warenvolumen erhielt er schließlich auch die Möglichkeit, auf die Erzeugerstrukturen aktiv Einfluss nehmen. Der Bio-Unternehmer sieht sich nämlich nicht nur als Händler, sondern als aktiver Gestalter. Das beste Beispiel ist das Projekt „Zweitnutzungshuhn“ – ein Gegenentwurf zur weit verbreiteten Tötung männlicher Küken in großen Eierlegebetrieben. Für das Projekt konnte er einen regionalen Biolandhof dafür gewinnen, eine besondere Hühnerrasse zu halten, die sowohl Eier legt als auch Fleisch ansetzt. Dabei werden auch die „Bruderhähne“, also die männlichen Artgenossen, aufgezogen. Diese vergleichsweise zeit- und damit auch geldaufwändige Tierhaltung fördert Malte Reupert, indem er dem Bauern feste Abnahmemengen und Mindestpreise zusichert. Es sind die Erlöse aus seinen Läden, die diesen Handlungsspielraum eröffnen. Wer also Lebensmittel bei Biomare einkauft, tut nicht nur der eigenen Gesundheit etwas Gutes. Vielmehr kann man sicher sein, damit auch einen Beitrag zum Tier- und Umweltschutz und zum Überleben von Biobetrieben in der Region zu leisten.

 

Bildquelle: Biomare GmbH

Bilder:

1) Ladengeschäft von Biomare

2) Biomare-Gründer und -Geschäftsführer Malte Reupert

3) Biomare-Angestellter mit Job-Rad

4) Job-Ticket für das Biomare-Team