25.09.2020

Damit aus einem Fahrzeug kein Gefahrzeug wird – moderne Prüfstelle für PKW und LKW entsteht in Chemnitz

Deutschland, deine Autos: In wohl keinem anderen Land haben die „vier Räder“ einen so hohen Stellenwert wie in der Bundesrepublik, wo Autos mit kühlem Kopf entwickelt und mit Leidenschaft gefahren, gehegt und gepflegt werden. Speziell der Freistaat Sachsen hat durch den Automobil-Pionier und Audi-Begründer August Horch nicht nur eine historische Bedeutung als Autoland, sondern verfügt mit dem VW-Werk in Zwickau-Mosel neuerdings über die bundesweit erste Serienproduktionsstätte für E-Autos. Gegenwärtig läuft rund jeder achte PKW, der in Deutschland gefertigt wird, in Sachsen vom Band (Quelle: Wirtschaftsförderung Sachsen). Nachdem die Fahrzeuge produziert und verkauft sind, beginnt der Job von Christian Hofmann. Er betreibt in Chemnitz ein Kfz-Ingenieurbüro.

Als Partner der KÜS, einer Überwachungsorganisation für Fahrzeug- und Verkehrssicherheit, bietet Christian Hofmann mit seinem Betrieb Prüfungen und Gutachten für Fahrzeuge aller Art vom Kleinwagen bis hin zum Wohnmobil. Die Nachfrage ist groß und die hauseigene Prüfstelle bereits mehr als ausgelastet. Vor diesem Hintergrund erfolgte Anfang August der erste Spatenstich für ein neues Firmengebäude mit erweiterter Prüfstelle für PKW und erstmals auch für LKW. Das finanzielle Fundament legte die BBS. Sie verhalf dem Chemnitzer Unternehmer mit ihrer Ausfallbürgschaft zu einem Kredit der Deutschen Bank.

Das 2006 gegründete Kfz-Ingenieurbüro, das Christian Hofmann vor dreieinhalb Jahren von seinem Vater übernahm, ist zusammen mit der Nachfrage der Kunden kontinuierlich angewachsen auf ein heute 9-köpfiges Team. Nun ist es an der Zeit, sich auch räumlich zu vergrößern – wenngleich der Neubau und die Ausstattung mit moderner Prüftechnik erst einmal eine größere Investition erfordern: „Aus eigener Tasche allein hätten wir das Bauvorhaben nicht stemmen können“, sagt Christian Hofmann und ergänzt: „In der Deutschen Bank haben wir ein Kreditinstitut gefunden, das uns von Anfang an Bereitschaft zu einer Finanzierung signalisiert hat.“ Aus der Perspektive der Deutschen Bank berichtet der Geschäftskundenberater Maik Lichtenstein: „Der Kontakt zwischen Herrn Hofmann und unserem Haus kam auf freundliche Empfehlung seines Steuerberaters zustande. Im persönlichen Gespräch konnte er uns schnell sowohl von sich als Unternehmer als auch von seinem Investitionsvorhaben und der damit verbundenen Erweiterung des Leistungsspektrums seines Kfz-Ingenieurbüros überzeugen.“ Die Bürgschaft der BBS wurde schließlich zum Schlüsselelement für die Kreditvergabe, wie er weiter erklärt: „Dank der Unterstützung der Bürgschaftsbank Sachsen konnten wir die gewünschte Finanzierung für das Vorhaben realisieren. Wir freuen uns über diesen schönen Einstieg in die Geschäftsverbindung zu einem jungen und engagierten Firmeninhaber.“

Die meiste Arbeitszeit von Christian Hofmann und seinem Team entfällt auf die vom Gesetzgeber verordnete Hauptuntersuchung (HU) von Fahrzeugen, einschließlich Abgasuntersuchung und Sicherheitsprüfung, die nur von speziellen Prüfingenieuren und unter dem Dach einer Kontrollinstanz wie der KÜS durchgeführt werden dürfen. Daneben übernimmt der Chemnitzer Betrieb sogenannte „Sachverständigenleistungen“ wie Kfz-Schadengutachten oder Gebrauchtwagenbewertungen. Bis vor wenigen Jahren waren die Prüfer ausschließlich im Außendienst im Einsatz, um in Autohäusern oder freien Werkstätten bis zu 50 km rund um Chemnitz tätig zu werden. Seit 2014 kann das Kfz-Ingenieurbüro mit einer eigenen Prüfstelle für PKW aufwarten und Endkunden so direkt am Firmensitz bedienen. Am neuen Standort soll nun eine zweite PKW-Prüfgasse hinzukommen und zusätzlich eine Prüfgasse für LKW entstehen.

Für die Fahrzeugbesitzer hat der Direkt-Kontakt einen entscheidenden Vorteil: Sie erhalten ein unvermitteltes Expertenurteil vom Prüfer samt objektiver Einschätzung, welche Reparaturen zwingend nötig sind und welche nicht – denn eine Prüfstelle darf selbst keine Reparaturen durchführen und hat damit auch kein wirtschaftliches Interesse an Werkstatt-Leistungen.

Mit dem Ausbau der Prüfstelle verlagert Christian Hofmann seinen Geschäftsbetrieb konsequent in Richtung Innendienst. Durch die reduzierten Reisekosten steigert der Geschäftsmann vor allem auch die wirtschaftliche Effizienz im Tagesgeschäft. Die Nachfrage nach inhouse-Leistungen rechtfertigen das Investment in die neue Firmenimmobilie allemal, wie der studierte Maschinenbauer erläutert: „Unsere Prüfkapazitäten für PKW sind am jetzigen Standort voll ausgeschöpft. Auch LKW könnten wir schon heute in größerer Zahl prüfen – wir bekommen mehrmals in der Woche Anrufe von Speditionen aus ganz Deutschland, die ihre LKWs kurzfristig auf der Durchreise bei uns untersuchen lassen wollen.“ Seine Beobachtungen zum steigenden Prüfbedarf decken sich mit den aktuellen Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes: Demnach waren zum Jahresbeginn 2020 insgesamt 65,8 Millionen Fahrzeuge in Deutschland zugelassen, über eine Million mehr als zum Vorjahresstichtag. Es gibt also genug zu tun für die Mannschaft um Christian Hofmann. Dem hat auch die Corona-Pandemie keinen Abbruch getan. „Eine Krise gab und gibt es für uns nicht. Das Gegenteil ist eingetreten. Wir verspüren geradezu einen Aufschwung bei Hauptuntersuchungen, denn die Leute hatten während des Lockdowns vermehrt Zeit, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.“ So hat die Krise auch für die Kunden des Kfz-Ingenieurbüros etwas Gutes – schließlich geht es um nicht weniger als um die Sicherheit im Straßenverkehr, die Christian Hofmann und Kollegen mit ihrem Job gewährleisten.

 

Bildquelle: Kfz-Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Christian Hofmann