05.06.2020

Denn Sachsen und Niedersachsen verbindet mehr als der Name – Generationenwechsel bei KRES Elektronik + Service manifestiert deutsche Einheit

Nachahmen ausdrücklich erwünscht: Gut 30 Jahre nach dem Mauerfall macht die fischer-modell GmbH vor, wie wirtschaftliche Integration von West- und Ostdeutschland ohne Vorbehalte und zum wechselseitigen Vorteil funktionieren kann. Das 2011 von Christian und Sebastian Fischer gegründete Unternehmen, das Modelleisenbahnen aus eigener Herstellung sowie von Drittanbietern vertreibt, leiten die Brüder aus deren Heimatort Lüchow in Niedersachsen. Zu einer zweiten Heimat für beide ist mittlerweile die Region Südwestsachen geworden – und das hat vor allem berufliche Gründe. Im Jahr 2017 kaufte fischer-modell die Firma Gützold in Zwickau aus der Insolvenz auf und rettete damit eine etablierte und angesehene Modelleisenbahn-Marke vor dem wirtschaftlichen Niedergang.

Nun tätigte das Brüder-Gespann ein zweites strategisches Investment im Zwickauer Land: Im Rahmen einer Nachfolgeregelung erwarben sie die KRES Elektronik + Service GmbH in Fraureuth. Durch die Übernahme des breit aufgestellten Unternehmens bauen die Fischers nicht nur ihr Modellbahnangebot aus, sondern ergänzen ihr Geschäftsfeld zugleich um den Bereich Industrieelektronik. Die finanziellen Bahngleise gen Sachsen verlegte die BBS: Sie verbürgte einen Kredit der Volksbank Chemnitz eG, der den Kauf der Firma KRES erst möglich machte.

Durch die Finanzierungshilfe der BBS konnte sichergestellt werden, dass die 32 KRES-Mitarbeiter ihren Job am bewährten Standort behalten. „Bei der Suche nach einem gangbaren Weg für die Nachfolgeregelung hatte der Fortbestand der Firma KRES inklusive aller Arbeitsplätze immer Priorität“, berichtet Markus Müller von der Volksbank Chemnitz. In seiner Funktion als Firmenkundenberater arbeitete er viele Jahre eng und vertrauensvoll mit den ehemaligen KRES-Gesellschaftern Uwe Köstel und Matthias Rasch zusammen, die der Firma bis zum endgültigen Ruhestand noch zwei Jahre als Berater erhalten bleiben. In den Fischer-Brüdern fanden sie zwei würdige Nachfolger, wie der Hausbankvertreter ergänzt: „Mit den neuen Eigentümern Christian und Sebastian Fischer, welche sowohl mit ihrer Persönlichkeit als auch fachlichen Kompetenz und Erfahrung überzeugen, konnte ein nahtloser Übergang geschaffen werden. In dieser Konstellation haben wir sehr gern die Finanzierung umgesetzt, welche durch die BBS zügig und unkompliziert unterstützt wurde." Nicht ohne Stolz erklärt Sebastian Fischer auch im Namen seines Bruders: „Schlussendlich beruht diese Finanzierung auf dem Vertrauen in das Unternehmen und damit in alle Mitarbeiter und natürlich in uns als neue geschäftsführende Gesellschafter“. Er räumt aber auch ein: „Ohne belastbare Sicherheiten wird es auch bei sonst besten Voraussetzungen für die finanzierende Bank schwer. Glücklicherweise konnte die BBS die Finanzierung durch die Volksbank Chemnitz ermöglichen, indem sie die Risiken auf breitere Schultern verteilte.“

Die Übernahme zum Jahresbeginn 2020 eröffnet für beide Firmen neue Synergieeffekte, die auf einer gewachsenen Geschäftsbeziehung gründen: Schon länger entwickelte und produzierte die KRES maßgeschneiderte Elektronikbaugruppen für fischer-modell. Damit ist das Leistungsspektrum aber noch nicht erschöpft, wie Christian Fischer ausführt: „Auf Grund der langjährigen Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen wussten wir bereits um die herausragenden Fähigkeiten des Unternehmens bzw. der Mitarbeiter in den verschiedenen Geschäftsbereichen Elektronik, Werkzeugbau und Modellbahn.“ Zudem hält der Neu-Eigentümer fest: „Uns war schnell klar, dass wir aufgrund unserer Erfahrungen in den verschiedenen Geschäftsbereichen sehr gut zum Unternehmen KRES passen, um zukünftig den Standort Fraureuth gesund wachsen zu lassen. Die Basis dafür wurde bei KRES in Form von umfangreichem Know-How, optimierten Arbeitsabläufen und eingespielten Strukturen gelegt.“ Formell bleibt die KRES weiter eigenständig bestehen. Der Fraureuther Firmensitz wird heute vom langjährigen Mitarbeiter und neuen Mitgesellschafter Karsten Becker geleitet. Er verfügt über umfassende Expertise im Bereich Industrieelektronik, der den Fischers nun als zusätzliches Standbein dient. Durch die Elektroniksparte können neue Geschäftskunden etwa aus der Luftfahrt, Medizin oder dem Sonderfahrzeugbau erschlossen und zugleich konjunkturelle Dellen beim Modellbahnbau besser abgefedert werden.

Im Gegenzug erhält KRES mit dem Online-Shop von fischer-modell nun erstmals Zugang zu einem Direktvertriebskanal, über den Kunden aus der gesamten Bundesrepublik, aber auch Sammler aus dem europäischen Ausland ordern. Neben kompletten Modelleisenbahnen finden sie hier Zubehör wie Loklaternen, Kupplungshaken oder Bremsschläuche im Miniaturformat. Eine moderne Modellbahn besteht heute aus bis zu 300 Einzelteilen, darunter zahlreiche Elektronik-Komponenten etwa für die Beleuchtung oder den typischen Klang der Dampfloks. In der frühen Unternehmensphase fertigten Christian und Sebastian Fischer die Bahnen in bester Gründermanier noch in der Garage. Nach wie vor ist viel Handarbeit bei fischer-modell gefragt, zum Beispiel um die Platinen mit kleinsten Bauteilen zu bestücken oder hauchdünne Kabel anzulöten. Der Vorstoß in den Elektronikbereich liegt daher näher als gedacht. Perspektivisch wollen die Fischers diesen Bereich am KRES-Sitz weiter ausbauen und dafür zusätzliches Personal einstellen. Zudem soll die Gützold-Produktion aus Zwickau ins nahegelegene Fraureuth umziehen. Damit werden alle sächsischen Unternehmenszweige an einem Standort integriert. Platz zum Wachsen bietet das weitläufige Grundstück um das KRES-Firmengebäude genug. Die engagierten Fischer Brüder haben bestimmt schon wieder die nächste Idee im Hinterkopf, wie sie die freie Fläche gewinnbringend nutzen können.

 

Bildquelle: fischer-modell GmbH