16.01.2020

Aus Verbundenheit zur Oberlausitz – Schöpstal Maschinenbau nach Eigentümerwechsel weiter in einheimischer Hand

Erst zog es ihn hinaus in die weite Welt und dann zurück in die Heimat. Verfolgt man den Werdegang von Holger Urban auf einer Weltkarte, so gleicht sein Lebenslauf der Bahn eines Boomerangs: Nachdem der gebürtige Lausitzer u.a. in Kanada und Russland als Projektingenieur tätig war, kehrte er mit seiner gesammelten Berufserfahrung im Gepäck nach Markersdorf bei Görlitz zurück. Genau in dem Unternehmen, in dem er damals schon als Schüler arbeitete, erreicht seine Karriere heute seinen vorläufigen Höhepunkt: Seit Januar 2018 ist Holger Urban geschäftsführender Gesellschafter der Schöpstal Maschinenbau GmbH.

Bereits im Kindesalter hatte er ein Auge auf den Betrieb geworfen – damals konnte er von seinem Elternhaus auf die Werkhallen schauen. Als sich der Mitgründer und Alteigentümer Dr. Knut Scheibe schließlich in den Ruhestand verabschiedete, bot sich die Gelegenheit zur Übernahme. Die nötigen Qualifikationen brachte Holger Urban mit, die Finanzmittel für die Übernahme steuerte die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien bei. Doch ohne einen Dritten im Bunde ging die Rechnung noch nicht auf: Erst die BBS sorgte mit ihrer Ausfallbürgschaft dafür, dass Holger Urban einen Kredit aufnehmen und die Schöpstal Maschinenbau GmbH abkaufen konnte. Formell hatte er dafür die NIMAG Holding GmbH als Erwerbergesellschaft ins Leben gerufen.

In den 1940ern als Traktorenwerkstatt entstanden und später an die LPG übergegangen, wurde die Schöpstal Maschinenbau in ihrer heutigen Form 1991 von Dr. Knut Scheibe sowie Burkhard Noack und Raino Klare gegründet – und zu dem mittelständischen Industrieunternehmen aufgebaut, das den Vorstellungen des übernahmewilligen Holger Urbans ziemlich genau entsprach: „Die Schöpstal Maschinenbau agierte zum Zeitpunkt der Übernahme seit 27 Jahren erfolgreich am Markt und war in dieser Zeit kontinuierlich erweitert und verbessert worden. Es existierte eine Kundenstruktur, die sich breit über viele Branchen erstreckte und oft seit Jahrzehnten bestand. Das Unternehmen war solide geführt worden und verfügte über eine gute Substanz.“ Inmitten der idyllischen Oberlausitzer Landschaft hat sich das Metallbauunternehmen über die Jahre hinweg mit mehreren weitläufigen Produktionshallen samt Bürokomplex auch räumlich breit gemacht. Insgesamt 125 Mitarbeiter – darunter zwei Lehrlinge pro Jahr – entwickeln, konstruieren, fertigen und montieren hier speziell größer dimensionierte Maschinen und Bauteile. Was auch immer Kunden wünschen, wird individuell, termingerecht und in bester Qualität umgesetzt: Dazu gehören etwa Recycling- und Siebmaschinen, Schiffstüren, Tresore oder Komponenten für Funkmasten und Fördertürme, die in aller Welt verbaut sind. Auch Fassadenteile, wie sie heute z. B. das One World Trade Center in New York oder die EZB-Zentrale in Frankfurt am Main zieren, haben ihren Ursprung im sächsischen Markersdorf.

Positiv fällt daher auch die Einschätzung von Frank Penndorf aus, dem zuständigen Firmenkundenberater der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien: „Die Schöpstal Maschinenbau GmbH war und ist ein in unserer Region etabliertes und wirtschaftlich gefestigtes Unternehmen, mit dem wir seit vielen Jahren in einem partnerschaftlichen Verhältnis als Hausbank zusammenarbeiten. Gleichzeitig trägt das Unternehmen soziale Verantwortung für die über 100 Mitarbeiter und deren Familien in unserer Region.“ Neben diesen sozioökonomischen Faktoren habe auch die Persönlichkeit des Übernehmers die Finanzierungsprüfung positiv beeinflusst: „Herr Urban in seiner Person, seinem beruflichen Werdegang und der damit verbunden fachlichen als auch kaufmännischen Erfahrung hat uns überzeugt, dieses gestandene Unternehmen im Sinne der ehemaligen Inhaber und der Mitarbeiter weiter führen zu wollen und zu können." Nach seinem Maschinenbaustudium in Zittau war Holger Urban zunächst ins Ausland gegangen, um in der Automobilbranche Karriere zu machen. Zurück in die Oberlausitz kam er 2013. Hier baute der zielstrebige Geschäftsmann, der auch über einen MBA-Abschluss verfügt, zunächst einen Produktionsstandort für einen Schweizer Pharmatechnologiekonzern federführend mit auf. Parallel reifte der Wunsch, selbst ein mittelständisches Unternehmen in der Heimat zu führen.

Als die Schöpstal Maschinenbau dann zum Verkauf stand, erhielt Holger Urban den Zuschlag nicht zuletzt auch wegen seiner persönlichen Verbundenheit zur Region und Belegschaft. Angesichts der vielen Arbeitsplätze, die es zu bewahren galt, zögerte auch die BBS nicht, den Übernehmer bei der Finanzierung zu unterstützen. „Die Zusammenarbeit mit der BBS war absolut unkompliziert, verbindlich und speziell mit Frau Adler sehr nett“, resümiert der neue Geschäftsführer, der sich eher unfreiwillig von der Flexibilität der BBS überzeugen konnte: „Etwas Aufregung gab es kurz vor Abschluss des Transfers doch noch, als kurzfristig in der zu übernehmenden Firma Sicherheiten aus Altkrediten frei wurden. Dadurch reduzierte die BBS ihr Bürgschaftsvolumen und die Kreditverträge mussten neu gestaltet werden.“ Zusätzlich zu den Anteilen des ausscheidenden Dr. Knut Scheibe erwarb er auch die Anteile der beiden verbleibenden Gründer, die dem Unternehmen weiter als Prokuristen erhalten bleiben. Zu den ehemaligen Inhabern habe er während des fünfjährigen Übernahmeprozesses eine sehr gute Vertrauensbasis aufgebaut, betont Holger Urban. In den zwei Jahren, in denen er den Betrieb nun als alleiniger Eigentümer leitet, hat er bereits einiges bewegt. So investierte er in eine weitere Lasermaschine, eine CNC-Fahrständer-Fräsmaschine sowie in ein Blech- und Lackierlager. Um die Rentabilität zu erhöhen, treibt er die Digitalisierung der Geschäftsprozesse mit einem neuen ERP-System und digitalen Dokumenten-Management voran. Unter diesen Vorzeichen wird das 30-jährige Firmenbestehen nächstes Jahr vermutlich nicht das letzte Jubiläum sein, das die Schöpstal Maschinenbau feiert.

 

Bildquelle: Schöpstal Maschinenbau GmbH