08.08.2019

Wo gehobelt wird, entstehen nicht nur Späne – Handwerker aus dem Osterzgebirge verwandelt Holz in Orgelteile und Möbelstücke

Die jüngsten Zahlen belegen es schwarz auf weiß: Sachsen bleibt die Handwerksmacht Ostdeutschlands. Laut aktueller Statistik des Sächsischen Handwerkstags waren Ende Juni 2019 hierzulande 56.409 Betriebe mit einschlägiger Ausrichtung gemeldet. Damit sind weiterhin mehr Handwerksunternehmen in Sachsen ansässig als in jedem anderen neuen Bundesland (ohne Berlin). Auch den deutschlandweiten Vergleich braucht der Freistaat nicht zu scheuen: Mit 13,9 Betrieben pro 1.000 Einwohner übersteigt die Handwerksdichte in Sachsen erneut den Bundesdurchschnitt von 12,2 Betrieben.

Alles in bester Ordnung also beim sächsischen Handwerk? Nur auf den ersten Blick. Denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Im Verlauf des ersten Halbjahres 2019 sank die Zahl der hiesigen Handwerksgewerbe um 251 Betriebe. Auffallend viele Abmeldungen im Vergleich zu den Neuzugängen verzeichnet der Sächsische Handwerkstag vor allem auch für die Berufsgruppe der Tischler. Umso größere Beachtung verdienen Personen wie Stephan Märker: Der Tischlermeister führt seit vergangenem Jahr die Märkers Holz- und Orgelmanufaktur in Dippoldiswalde. Ermöglicht wurde seine Existenzgründung durch die BBS und die Deutsche Bank, die ihm die erforderlichen Finanzierungswerkzeuge an die Hand gaben.

Vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit wechselte Stephan Märker im Jahr 2018. Seither zimmert er in Eigenregie hochwertige Holzobjekte nach den Vorstellungen seiner Kunden. Im Auftrag von Orgelherstellern entstehen in seiner Werkstatt etwa Windladen, Bälge und Spieltische, die sogar in Norwegen oder China verbaut werden. Für Privatpersonen aus der Region fertigt er zudem einzelne Möbelstücke und komplette Einrichtungen aus Massivholz. Sämtliche Maschinen, die er für seine Arbeit benötigt, musste sich der Handwerker neu anschaffen. Zum Firmeninhaber wurde er nämlich nicht - wie etliche seine Zunftgenossen - durch die Übernahme eines bestehenden Betriebs, sondern durch die Gründung eines gänzlich neuen Unternehmens. Folglich galt es, bei seiner Hausbank erst einmal Investitionskapital für die Geschäftsausstattung einzuwerben. Wie genau ihn die BBS dabei unterstützte, erklärt Stephan Märker selbst: „Während der Erstellung des Finanzierungskonzepts mit der Deutschen Bank standen mir die Berater der BBS stets tatkräftig zur Seite, um mit mir den bestmöglichen Business Plan zur Beantragung auszuarbeiten.“ Der BBS rechnet der Gründer weiterhin hoch an, dass sie auch seinen eng gesteckten Zeitplan mittrug: „Da ich mein Unternehmen so schnell wie möglich eröffnen wollte, wurde mir von Seiten der BBS stets sehr zügig und unkompliziert zugearbeitet. Dafür möchte ich mich recht herzlich bedanken.“

Auch wenn die eigentliche Firmengründung rasch vonstatten ging, hatte sich Stephan Märker doch gewissenhaft auf den neuen beruflichen Lebensabschnitt vorbereitet. Seine erste Anlaufstelle bildetet das Startercenter der Handwerkskammer Dresden, das Existenzgründer kostenfrei durch den gesamten Gründungsprozess begleitet. Dieses Serviceangebot nutzte der Neuunternehmer in vollem Umfang. So weiß Andreas Leidig, betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer Dresden, zu berichten: „Stephan Märker hat sich im Startercenter der Handwerkskammer Dresden über die Planung der Gründung informiert, sich zu den Fördermöglichkeiten für Existenzgründer beraten und sein Gründungskonzept auf Plausibilität prüfen lassen. Darüber hinaus unterstützte die Betriebsberatung der Handwerkskammer Dresden Herrn Märker mit fachlichen Stellungnahmen, wie sie für die Fördermittelbeantragung erforderlich sind.“ Keine Zweifel an der fachlichen Eignung von Stephan Märker lässt sein Lebenslauf: Die Lehre zum Orgel- und Harmoniumbauer schloss er 2006 mit so guten Leistungen ab, dass er ein Stipendium erhielt. Umfassende Berufspraxis sammelte er in den folgenden Jahren bei renommierten Orgelbaufirmen in ganz Deutschland und Österreich.

Mit seinem Werdegang konnte Stephan Märker auch bei der Deutschen Bank in Dresden punkten, wie die zuständige Geschäftskundenbetreuerin Janett Streubel erläutert: „Der Gründer Stephan Märker hat uns ein schlüssiges Konzept vorgelegt: Angefangen von seiner fachlichen Qualifikation und Meisterausbildung über seine bisherigen beruflichen Erfahrungen bis hin zu der Verbindung von Tischlerei und Orgelbau. Besonders hochwertige Holz-Produkte herzustellen, gehört zur Handwerkstradition in unserer Region. Wenn ein Gründer eine solche Tradition zukunftsorientiert und unternehmerisch fortführt, spornt uns das auch als Bank zusätzlich an.“ Das von der Deutschen Bank bereitgestellte Kapital investierte Stephan Märker in moderne Maschinen wie eine Formatkreissäge und Tischfräse. Sie machen die Werkstatt komplett, die er direkt neben seinem Wohnhaus errichtete. In diesem Zusammenhang erwähnt er dankend auch Andreas Tänzer: Der Leiter der Stabstelle Wirtschaftsförderung im Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatte sich dafür eingesetzt, dass der Unternehmer eine Genehmigung für die gewerbliche Nutzung seines Privatgrundstücks erhielt. So konnte Stephan Märker seine selbständige Tätigkeit schließlich auch formell aufnehmen und sich zusammen mit seinem Mitarbeiter fortan voll und ganz den Kundenaufträgen widmen. Denn damit hat er, wie es sich für einen erfolgreichen Handwerker gehört, alle Hände voll zu tun.

Das Schlusswort gehört Stephan Märker, der anderen Gründern heute Mut macht: „Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es möglich ist, seinen Traum vom eigenen Unternehmen zu verwirklichen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden und kann jedem Handwerker mit Gründungsplänen nur raten, diesen Weg gemeinsam mit der BBS, der Hausbank und der Handwerkskammer zu gehen.“

 

Bildquelle: Märkers Holz- und Orgelmanufaktur