25.06.2019

Jede Müh(l)e wert – Rückkehrer Martin Peukert führt Mühlenbauunternehmen erfolgreich weiter

Wetten, dass auch Sie mindestens einen Herrn oder eine Frau Müller kennen? Nicht ohne Grund ist der Name Müller, mit dem ursprünglich Betreiber oder Angestellte einer Mühle bezeichnet wurden, der unangefochten am weitesten verbreitete Nachname in Deutschland. Im Mittelalter besaß fast jedes noch so kleine Dorf eine Mühle, deren Mahlwerk durch Wind-, Wasser- oder die Muskelkraft von Menschen oder Tieren angetrieben wurde. Heute im 21. Jahrhundert findet man Mühlen konzentriert in großen Industriebetrieben, wo sie ihre Arbeit komplett computergesteuert verrichten.

Wann immer ihre Inhaber individuelle Mahlanlagen zur Zerkleinerung bestimmter Ausgangsstoffe wie etwa von Lebensmittelzutaten, Chemikalien, pharmazeutischen Wirkstoffen, Kunststoffen oder Metallen benötigen, ist er ihr Mann: Martin Peukert. Nach beruflichen Stationen im In- und Ausland übernahm der gebürtige Freiberger 2014 die Gebrüder Jehmlich GmbH in Nossen, die maßgeschneiderte Mühlen für Auftraggeber in aller Welt konstruiert, herstellt und installiert. Auf die spezifischen Kundenbedürfnisse ausgerichtet ist auch das Finanzierungskonzept, das die BBS zusammen mit der Deutsche Bank AG im Rahmen der Nachfolge erarbeitete. Seither steht die BBS mit einer Ausfallbürgschaft hinter dem Unternehmer und hält ihm finanziell den Rücken frei.

Durch die BBS und ihre Schwesterinstitution, die MBG, wurde die Übernahme überhaupt erst möglich gemacht. Um die Gebrüder Jehmlich GmbH, die dieses Jahr ihr 100-järiges Bestehen feiert, von den alten Eigentümern abkaufen zu können, gründete Martin Peukert die Powder Beteiligungs GmbH. In diese Erwerbsgesellschaft brachte die MBG frisches Eigenkapital ein, während die BBS zugleich ein Firmendarlehen anteilig absicherte und dem Geschäftsmann so zusätzlich Fremdkapital verschaffte. Durch die optimal aufeinander abgestimmte Kombination der Finanzierungsinstrumente Bürgschaft und Beteiligung war Martin Peukert schließlich finanzstark genug für die Übernahme. Positiv fällt auch sein Urteil aus, was die BBS-seitige Betreuung seines Nachfolgeprojekts betrifft: „Ich bin mit der Zusammenarbeit mit den Spezialisten der BBS beim Aufbau und der Umsetzung der Übernahmefinanzierung sehr zufrieden. Meine Ansprechpartner Frau Brinckmann und Herr Wiehe haben mein Vorhaben konstruktiv aber natürlich auch aus Risiko-Perspektive in enger Abstimmung mit meiner finanzierenden Hausbank begleitet.“  Die Partnerschaft bereute er keine Sekunde: „Für mich war es eine gute Entscheidung, die BBS frühzeitig mit einem ausgereiften Konzept für mein Übernahmevorhaben zu gewinnen.“

Die Welt der Zahlen ist dem studierten Betriebswirt bestens vertraut. Als Direktor im Investment Banking arbeitete er für Banken in Frankfurt, London und Zürich bevor es ihn wieder in die sächsische Heimat zog und er sein bisher größtes berufliches Projekt in Angriff nahm – maßgeblich unterstützt von der Deutschen Bank in Chemnitz. Karsten Witaßek, Kundendirektor und Senior Experte Firmenkunden, sieht in der Übernahme der Gebrüder Jehmlich GmbH nicht weniger als „ein Paradebeispiel für erfolgreiche Unternehmensnachfolgen in Sachsen.“ Zu dieser Einschätzung veranlassen ihn gleich mehrere Faktoren: „Ein Maschinen- und Anlagenbauer mit einem funktionierenden Geschäftsmodell, ein Existenzgründer mit Erfahrungen im Finanzsektor und Vorbereitungszeit zur Vertiefung der fachlichen Expertise sind perfekte Zutaten für das Gelingen eines Management-Buy-Ins. Martin Peukert hat uns vom ersten Gespräch an überzeugt und das Vertrauen in ihn als Unternehmer bisher mehr als gerechtfertigt.“ Das überrascht nicht, denn die Übernahme wurde von dem Sachsen detailliert vorbereitet. So besuchte er etliche Nachfolgeveranstaltungen im Freistaat und sah sich mehr als 30 zur Übergabe stehende Firmen an bis er letztlich die Gebrüder Jehmlich GmbH fand, die seine genauen Vorstellungen erfüllte.

Seit der Übernahme hat Martin Peukert den auf 30 Mitarbeiter angewachsenen Betrieb ebenso zielstrebig internationalisiert. Schon jetzt werden 60% der gefertigten Mühlen exportiert, vor allem in die europäischen Nachbarländer. Aber auch Afrika mit seinen Kakao- und Zuckerrohrplantagen avanciert zum wichtigen Absatzmarkt. Für den Vertrieb und Service arbeitet er im Ausland mit lokalen Partnern zusammen. Um die Anlagen später passgenau in die vorhandene Produktionsstrecke integrieren zu können, besucht sein Team jeden Kunden direkt vor Ort. In der heimischen Versuchswerkstatt wird dann detailliert getestet, mit welchen Mahlwerkzeugen und Verfahren sich der jeweilige Ausgangsstoff am besten in die gewünschte Partikelgröße zerkleinern lässt. „Unsere Speziallösungen für die Lebensmittelwirtschaft, die pharmazeutische und chemische Industrie sind immer mehr gefragt“, weiß Martin Peukert zu berichten. Neben dem Gewinn junger, qualifizierter Mitarbeiter setzt er auf die permanente Optimierung seiner Produkte: „Wir investieren aktuell beispielsweise in ein neues, voll digitalisiertes Versuchstechnikum an unserem Standort in Nossen, um unsere Stärken als Spezialist der industriellen Zerkleinerungstechnik nochbesser ausspielen zu können.“ Mit dem Bauprojekt legt er das Fundament dafür, dass noch viele Mühlen mit dem Prädikat „engineered in Germany“ von Sachsen aus ihre Reise in die Welt antreten.

 

Bildquelle: Fotografie Bartel & Fotostudio Gerth