13.09.2018

Der Tradition verpflichtet - Holzwaren Egermann lässt erzgebirgische Volkskunst weiterleben

In wenigen Wochen werden sie wieder vom Dachboden oder aus dem Keller geholt, um weihnachtliches Flair in den heimischen Wohnzimmern zu verbreiten: Räuchermänner, Schwibbögen und Pyramiden gehören seit Generationen schon zur obligatorischen Adventsausstattung der Sachsen. Die dekorativen Holzobjekte bilden die wohl populärste Ausdrucksform der erzgebirgischen Volkskunst, wie sie mittlerweile weit über die sächsischen Landesgrenzen hinaus gefragt ist. In der Vorweihnachtszeit herrscht daher auch bei Bettina Egermann Hochkonjunktur. Sie hat sich der Aufgabe verschrieben, die Tradition des erzgebirgischen Kunsthandwerks aufrecht zu erhalten. Als Inhaberin von Holzwaren Egermann vertreibt sie Weihnachtsschmuck, Spielzeug und viele andere Artikel aus Holz, die am Firmensitz in Grünhain-Beierfeld in aufwändiger Handarbeit gefertigt werden.

Die waschechte Erzgebirglerin agiert zwar als Einzelunternehmerin, sie ist aber ganz sicher keine Einzelkämpferin. Unterstützung erhält sie nicht nur von ihren acht Angestellten, sondern auch von den Finanzberatern der BBS und MBG. Diese arbeiten schon seit mehreren Jahren eng mit Egermanns Holzwarenhandel zusammen. Mit den beiden Förderinstrumenten Bürgschaft und Beteiligung haben sie die wirtschaftliche Grundlage dafür bereitet, dass sich Menschen rund um den Globus, heute wie auch in Zukunft, am Kunstgewerbe aus dem Erzgebirge erfreuen können.

Innenansicht des Waschleither Geschäfts

Der erste Förderantrag von Bettina Egermann ging im Jahr 2011 bei der BBS ein. Damals benötigte sie fremdes Kapital, um ihre laufenden Betriebskosten zu decken. Obwohl zum Zeitpunkt der Antragstellung noch keine finanzierende Hausbank gefunden war, sagte die BBS ihren Beistand zu. Über das Programm „Bürgschaft ohne Bank“ (BoB) erklärte sie sich bereit, anteilig für Egermanns Kreditverbindlichkeiten einzustehen. Ausgestattet mit dem finanziellen Rückhalt der BBS konnte die Unternehmerin schließlich ein Betriebsmitteldarlehen bei der Volksbank Chemnitz einwerben. Somit trug die BBS wesentlich zur Optimierung der Geschäftsprozesse bei, wie Egermann erklärt: „Der abgesicherte Kredit diente der Erhöhung der Material- und Lagerbestände, um kontinuierlicher und effektiver produzieren sowie schneller liefern zu können.“ Wenngleich ihr unternehmerisches Handeln von nüchternen Kennzahlen bestimmt wird, ihrer Arbeit geht die Firmenchefin mit viel Leidenschaft nach. „Im Erzgebirge wächst man mit der Tradition der hiesigen Volkskunst auf. Von Generation zu Generation wird sie weitergegeben. Faszinierend – von der Geschichte dieser Gegend bis hin zu den fertigen traditionellen Figuren“, so Egermann. Auch für den Rohstoff Holz begeistert sie sich seit etlichen Jahren. Die Diplom-Forstwirtin arbeitete zunächst als verbeamtete Revierförsterin, bevor sie sich zum Schritt in die Selbständigkeit entschloss.

Blick in die Annaberger Kunststube

Mittlerweile kann Bettina Egermann zwei Läden im Erzgebirge ihr Eigen nennen: Seit 2010 werden die selbst hergestellten Kunstfiguren und Spielwaren in einem Geschäft in Waschleithe verkauft. Mit der Annaberger Kunststube kam dann 2016 ein zweiter Vertriebsstandort dazu. Hier hatte die MBG ihre Finger, oder besser: ihr Kapital, mit im Spiel: Durch eine stille Beteiligung steuerte sie frisches Eigenkapital bei, so dass Egermann die alteingesessene Einrichtung im Herzen der Stadt Annaberg-Buchholz übernehmen konnte. Als die einstigen Eigentümer in den Ruhestand gingen, kaufte sie ihnen das Geschäft ab und rettete es damit vor der Schließung. Die Übernahme der Annaberger Kunststube belegt einmal mehr die Heimatverbundenheit von Egermann. Sie findet es „sehr wichtig, dass solche Geschäfte hier bei uns im Erzgebirge Bestand haben und weitergeführt werden.“ Ihre Holzerzeugnisse vertreibt die Sächsin aber nicht nur auf erzgebirgischem Boden. Bei deutschlandweiten Messen wie der Nürnberger Spielwarenmesse knüpft sie wichtige Geschäftskontakte in alle Welt. So beliefert sie auch Kunden im europäischen Ausland und sogar in Japan. Erst vor Kurzem, im August 2018, hat die ehrgeizige Geschäftsfrau außerdem einen eigenen Webshop eröffnet. Freunde der erzgebirgischen Volkskunst können jetzt also überall auf der Erde in Egermanns Warenkatalog stöbern und direkt online bestellen.

Ein Besuch von Egermanns Ladengeschäften und Website lohnt sich nicht nur in den Adventswochen, sondern auch in den übrigen elf Monaten des Jahres. Neben Bergmann-, Engel- und Weihnachtsmannfiguren stehen nämlich auch diverse saisonübergreifende Produkte zum Verkauf, so etwa Miniaturausgaben von Osterhasen, Küken, Blumenkindern und Schornsteinfegern. All den Dekorationsartikeln ist gemeinsam, dass sie aus naturbelassenem Holz gefertigt und liebevoll gestaltet sind. Darüber hinaus beinhaltet das Sortiment auch eine große Auswahl an pädagogisch wertvollen Holzspielwaren, die den didaktischen Grundsätzen von Friedrich Fröbel folgen. Mit den farbenfrohen Lege-, Steck- und Nagelspielen lassen sich die motorischen und kognitiven Fähigkeiten von Kindern, aber auch von Menschen mit Handicap gezielt trainieren. Weiterhin regt das Team von Holzwaren Egermann seine Kunden an, auch selbst schöpferisch tätig zu werden. Mehrteilige Bastelsets sollen Interesse und Spaß am erzgebirgischen Kunsthandwerk vermitteln. Am Waschleither Standort finden in einer eigens eingerichteten Bastelstube zudem regelmäßig Workshops statt, bei denen Holzfiguren unter professioneller Anleitung zusammengestellt und bemalt werden können. Im Rahmen von Schulausflügen, Familienfesten oder Firmenveranstaltungen wie Weihnachtsfeiern lassen Groß und Klein ihrer Kreativität hier freien Lauf.