21.03.2018

Nachfolgerin aus den eigenen Reihen – Mitarbeiterin übernimmt Führung im Textilhandel Uhlig

Frei nach dem Motto „selbst ist die Frau“ wagte Anett Sandner aus Chemnitz den Schritt in die gewerbliche Selbständigkeit. Die Geschäftsfrau führt seit 2016 das Einzelunternehmen Textilhandel Uhlig, in dem sie zuvor als leitende Angestellte beschäftigt war.

Der Gründer und vorherige Inhaber hatte den Betrieb aus Altersgründen abgeben müssen – und dabei das große Glück, dass mit Sandner eine ambitionierte und zugleich mit dem Unternehmen vertraute Mitarbeiterin in den Startlöchern stand, um seine Nachfolge anzutreten. Allein der gegenseitige Übergabe- bzw. Übernahmewille reichte jedoch nicht aus, den Bekleidungshandel auch in den Geschäftsbüchern auf Sandner zu überschreiben. Vielmehr musste die Nachfolge-Anwärterin zunächst das erforderliche Kapital für den Erwerb des Unternehmens beschaffen. Bei dem wirtschaftlich anspruchsvollen Unterfangen des sogenannten Management-Buy-Outs kam ihr die BBS zur Hilfe: Die sächsische Bürgschaftsbank erklärte sich gegenüber dem Kreditgeber, der Sparkasse Chemnitz, bereit, für das Ausfallrisiko von Sandner zu haften. Damit trug sie maßgeblich zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge bei.

„Die Finanzierung der Unternehmensübernahme wurde durch die Bürgschaft der BBS erst möglich gemacht“, bringt es Sandner auf den Punkt. Für sie stand von Anfang an außer Frage, dass sie mit dem Textilhandel Uhlig in ein zukunftsträchtiges Gewerbe investiert. Das unternehmerische Prinzip des mobilen Kleidungsverkaufs ist so simpel wie genial: Hier kommt nicht der Kunde ins Geschäft, sondern das Geschäft zum Kunden. Die Chemnitzer Firma hat mit diesem Ansatz eine lukrative Nische besetzt. Schließlich tut sich der stationäre Einzelhandel zunehmend schwerer, potentielle Käufer aus den heimischen vier Wänden in die Läden zu locken. Sandner und ihr ausschließlich weibliches Team dagegen machen sich auf den Weg zur Kundschaft und präsentieren die Ware direkt vor Ort. In ihrem Gepäck haben die Außendienstlerinnen sowohl Oberbekleidung als auch Unter- und Nachtwäsche für Sie und Ihn. Zu ihren Mitarbeiterinnen, die sie nun schon etliche Jahre begleiten, hat Sandner durch die gemeinsamen Reisen eine enge Beziehung. Mit ihrer neuen Rolle nach der Firmenübernahme musste aber auch sie sich erst einmal arrangieren: „Die größte berufliche Herausforderung war der Wechsel von einer Kollegin hin zur Firmenchefin“, gesteht die sympathische Unternehmerin.

Aufmerksam auf die Angebote der BBS zur Nachfolgefinanzierung wurde sie durch eine Informationsveranstaltung der örtlichen Industrie- und Handelskammer. Zum Thema Unternehmensübernahme bietet die IHK Chemnitz vielfältige Beratungsmöglichkeiten. Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich erklärt, warum: „Erst wenn Unternehmen auch nach Ausscheiden des Gründers fortgeführt werden, ist die Wirtschaft in der Region Chemnitz langfristig positiv aufgestellt. Hier leisten wir im Sinne unserer Mitglieder aktive Unterstützung.“ Neben aufstrebenden Führungskräften wie Anett Sandner konsultieren vor allem auch Alt-Eigentümer die IHK, wenn die altersbedingte Übergabe des Betriebs ansteht. Gemäß dem aktuellen DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge haben sich 2016 in Deutschland insgesamt 6.654 scheidende Inhaber – mehr als jemals zuvor – an ihre regionale IHK gewandt, um sich zur Nachfolge beraten zu lassen. Hauptverantwortlich für diese Entwicklung ist der demographische Wandel in der Bundesrepublik: Während eine steigende Zahl von Unternehmern das Rentenalter erreicht, nimmt der Anteil der 25- bis 45-jährigen Bevölkerung mit übernahmeinteressiertem Nachwuchs immer weiter ab. Wenn dann auch noch monetäre Hindernisse der Übernahme entgegenstehen, verschärft sich der Nachfolger-Engpass zusätzlich. Für dieses Problem jedoch kann die BBS mit ihren Ausfallbürgschaften zielgerichtete Lösungen bieten, wie das Förderbeispiel des Textilhandels Uhlig demonstriert.

Seit der Übernahme des Betriebs durch Sandner sind nun gut zwei Jahre vergangen. In dieser Zeit hat die Neu-Inhaberin bewiesen, dass sie ein Unternehmen erfolgreich leiten kann und sich die finanzielle Hilfestellung der BBS rückblickend mehr als verdient hat. Mit der gegenwärtigen Situation, in der sich die Handelsfirma heute unter ihrer Führung befindet, ist sie auch selbst überaus zufrieden: „Nach zwei Jahren kann ich stolz behaupten, dass ich ein gut gewachsenes Unternehmen mit tollen, motivierten Mitarbeitern übernommen habe. Viele Kunden halten uns seit Jahren, teilweise schon zwei Jahrzehnte, die Treue und freuen sich mit uns, dass der Textilhandel Uhlig weitergeführt wird.“ Der Zuspruch der Kundschaft ist nicht zuletzt deshalb ungebrochen, weil bei Sandner auch der Durchschnittsbürger ohne Modelmaße fündig wird: Ihr Sortiment hält eine umfangreiche Auswahl an Über- und Problemgrößen bereit. Zudem schätzen Sandners Anhänger, dass sie die Textilien bei der Präsentation daheim direkt am eigenen Leib probetragen können. Und mehr noch: Ihr Team ermuntert die Kunden weiterhin, die Kleidungsstücke auch gleich bei Modenschauen im familiären Umfeld vorzuführen. Ein Besuch der Fachverkäuferinnen verspricht also nicht nur professionelle Beratung, sondern immer auch gute Unterhaltung.


Bildquelle: Studio 85 Chemnitz