06.05.2015

Die Sonderpreisträger des "Sächsischer Meilensteins" im Interview

"Persönlicher Service als Qualitätskriterium"

Dachdeckermeister Felix Jäckel - Sonderpreisträger 2014 

Der mittelständische Dachdeckerinnungsbetrieb von Dachdeckermeister Felix Jäckel will seinen Kunden einen individuellen Service bieten - alle Arten von Dacheindeckungen über Gerüstbau bis hin zu Klempner- und Kranarbeiten gehören zu seinem Angebotsspektrum. Bereits in vierter Generation führt der Jungunternehmer den Betrieb mit mittlerweile sechs Mitarbeitern fort. Felix Jäckel hatte gerade seine Ausbildung als Dachdecker abgeschlossen, als sein Vater verstarb und er 2010 unerwartet und mit gerade einmal 20 Jahren den mittelständischen Betrieb übernehmen musste. Um für die Tätigkeit als Dachdecker ausreichend qualifiziert zu sein, und trotzdem seinen Tätigkeiten als Geschäftsführer nachzukommen, absolvierte Felix Jäckel seine Meisterausbildung in Teilzeit.

Wie ist es Ihnen nach dem Wettbewerb ergangen? 

Wir waren überwältigt von dem großen Zuspruch, den wir durch den Wettbewerb erhalten haben. Vor allem die Berichterstattung im Fernsehen haben anscheinend einige verfolgt. Viele Menschen haben sich im Nachhinein bei mir gemeldet. Darunter waren auch Leute, die ich noch gar nicht kannte. Es haben aber auch Kunden angerufen und mir persönlich gratuliert. Soviel positives Feedback zu bekommen war ein schönes Gefühl. 

Welche neuen Projekte und Vorhaben stehen in Ihrem Unternehmen an? 

Ein Großprojekt für dieses Jahr wird die Umgestaltung des Firmen-Grundstücks sein. Wir planen, den Vorplatz und den Aufbau der Halle zu verändern. Mit einem Teil der Veränderungen haben wir bereits im Frühjahr begonnen - nun werden wir noch den Aufbau der Musterständer erneuern und einen neuen Stellplatz für die Rüstungen schaffen. Allerdings nimmt ein solches Projekt viel Zeit in Anspruch, sodass wir dieses Vorhaben Stück für Stück umsetzen. 

Spüren Sie in Ihrem Unternehmen einen zunehmenden Wettbewerbsdruck? 

Wir sind vor allem auf Privatkunden spezialisiert und scheuen uns nicht davor, auch kleine Aufträge anzunehmen. Das machen viele andere Unternehmen eher ungern. Zudem lege ich sehr viel Wert auf die persönliche Kundenbetreuung. Das heißt: Ich bin bei allen Baustellen auch vor Ort und kläre die Angebote selbst ab. Nur so kann ich alle wichtigen und individuellen Details mit jedem Auftraggeber absprechen. Trotz der fünf anderen Dachdeckerbetriebe in der Region ist unsere Auftragslage dadurch ziemlich gut.


"Zwei Unternehmen, ein gemeinsamer Weg"

Hundeck Tief- und Wegebau GmbH - Sonderpreisträger 2013 

Das Dresdner Unternehmen von Steffen Hundeck ist spezialisiert im Bereich Tief- und Wegebau. Durch die Zusammenarbeit mit einem Güterkraftverkehrsunternehmen aus der Region lernte Steffen Hundeck Geschäftsführerin Renate Schaarschmidt kennen. Als er erfuhr, dass sie plant, ihr Unternehmen aus Altersgründen zu verkaufen, entstand die Idee, seinen Betrieb um die zum Verkauf stehende Firma zu erweitern. 2010 übernahm Steffen Hundeck die Firma samt vier Mitarbeitern und Fuhrpark. Er führte die beiden Unternehmen zusammen und betrat damit Neuland. Mittlerweile hat er sich in der Güterkraftverkehr-Branche erfolgreich etabliert: Seit der Übernahme hat sich der Umsatz verdoppelt. Auch die Zusammenführung der beiden bestehenden Mitarbeiterkreise meisterte Steffen Hundeck ohne große Schwierigkeiten und konnte alle Arbeitsplätze erhalten und bis 2013 sogar einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen.

Was ist seit dem Wettbewerb vor zwei Jahren im Unternehmen passiert?

Wir haben den Fuhrpark, den wir damals integriert haben, um ein Fahrzeug erweitert, inklusive Kraftfahrer. Im Tiefbau-Bereich sind wir nach wie vor neun Mitarbeiter. Insgesamt hat sich die Erweiterung um ein Fahrzeug natürlich auch auf den Gewinn umgelegt. Wir sind mit der aktuellen Lage zufrieden.

Mit welchen Hürden mussten Sie oder müssen Sie momentan kämpfen?

Es ist generell sehr schwer, Fachkräfte anzuwerben. So haben wir etwa von Ende Juni vergangenen Jahres bis Anfang April 2015 einen geeigneten LKW-Fahrer gesucht. Was die Mitarbeitersituation betrifft, sind wir insgesamt noch immer sehr stolz auf die problemlose Zusammenführung der zwei Mitarbeiterkreise. Die Angestellten konnten damals nahtlos ihre Arbeit fortsetzen.

Was erwarten Sie für die Zukunft des Unternehmens?

Prinzipiell wäre es möglich, alles auszubauen, vor allem den Tiefbau. Momentan ist das aber nicht nötig, da ich mit 15 Angestellten alle Aufgaben gut erfüllen kann. Spedition und Tiefbau unter einen Hut zu bekommen, bleibt jedoch die zentrale Herausforderung für mich. Immerhin komme ich aus einer anderen Branche. Es war eine große Hilfe, das gute Konzept der Übergeberin Frau Schaarschmidt komplett zu übernehmen. Durch die reibungslose Übergabe, vor allem wegen des guten Zusammenspiels von Übergeberin, Übernehmer und Mitarbeitern, ist eine gute Grundlage für die Zukunft des Unternehmens gelegt worden.


„Wir investieren in die Zukunft“

Reifenhaus Diana Schmiedel - Sonderpreisträgerin 2012

Der Betrieb für Reifenreparaturen aller Art wurde 1955 von Ursula und Gerhard Schmiedel gegründet und ist seither ein inhabergeführter Fachbetrieb. Auch die Tochter des Gründerpaars, Diana Schmiedel, eifert ihren Eltern nach: Zuerst absolviert sie eine kaufmännische Ausbildung bei einem Reifenservice in Reutlingen, bevor sie in den elterlichen Betrieb zurückkehrte, um das Handwerk des Vulkaniseurs zu lernen. 2001 besteht sie ihre Meisterprüfung und übernimmt sechs Jahre später das Reifenhaus von ihrem Vater. Heute ist das Unternehmen mit zwei Standorten in Crimmitschau vertreten und zeichnet sich durch eine kompetente Beratung und einen umfassenden Service aus.

Was hat sich in den letzten zwei Jahren in Ihrem Unternehmen getan?

Wir haben in den vergangenen zwei Jahren rund 45.000 Euro in die Modernisierung unserer Standorte gesteckt. Darunter fällt die Erweiterung des bestehenden Maschinenparks um neue Montagemaschinen, ein Diagnosegerät für die Serviceintervalle der Fahrzeuge und natürlich die Schulung der Mitarbeiter und Monteure. Auch unseren LKW-Pannendienst haben wir ausgedehnt, das Leasing-Geschäft ist gewachsen und unseren Webshop haben wir überarbeitet und uns zusätzlich ein Facebook-Profil zugelegt. Ich hoffe natürlich, die neuen Investitionen werden zur weiteren Stabilisierung unseres Unternehmens führen und uns wettbewerbsfähiger machen, denn unsere Konkurrenz schläft nicht - vor allem der Onlinehandel erhöht den Druck.

Aber auch die persönliche Qualifizierung steht im Mittelpunkt: Im Januar habe ich mich noch zum Kfz-Teile-Meister ausbilden lassen. Nun kann ich neben meinem Meister im Vulkaniseur- und Reifenmechaniker und Ausbildungsschein auch alles übernehmen was mit Ölservice, Inspektion, Klimaservice, Bremsenservice, Elektronik/Licht, Stoßdämpfer, Achsvermessung etc. zu tun hat. Auch habe ich einen neuen Mitarbeiter eingestellt.

Sie sagten die Konkurrenz schläft nicht, wer ist Ihr größter Wettbewerber?

Was mich verstärkt in den letzten Jahren trifft, ist die Konkurrenz aus dem Onlinehandel. Immer mehr Menschen sind der Meinung, dass sie gar nicht erst im Laden nachfragen müssen, was ein Teil vor Ort kostet und bestellen es gleich im Internet. Aber die meisten Kunden sind dann überrascht, wenn Sie zur Montage kommen und ich Ihnen sage: "Das hätte ich dir auch bieten können."

Dabei verlange ich einen Aufpreis dafür, dass ich die Verantwortung übernehme, den Reifen zu montieren, den richtigen Reifen auszusuchen, der in der EU zugelassen ist und auch auf das Fahrzeug und die Felge passt, der die Geschwindigkeit und die Last aushält. Das sind die Faktoren, die ich kontrolliere und abkläre. Und das ist der Service, der mehr kostet und bezahlt werden muss.

Gibt es denn bei Ihnen einen Notfallplan für eine Unternehmensnachfolge?

Es liegt ein Notfallplan in der Schublade. Das heißt: Sollte mir etwas zustoßen, gibt es einen Plan, der sicher stellt, dass es erst einmal weitergeht. Allerdings wäre es natürlich sehr schön, wenn die nächste Generation irgendwann übernehmen würde. Unser großer Sohn macht gerade Abitur und hat bereits eine Lehrstelle als Kfz-Mechaniker sicher. Dann wird sich zeigen, ob er diesen Beruf genauso liebt wie ich. Wenn es so ist, kann er natürlich gerne mit einsteigen.